Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Unser Kaiser.!5 der Menschen zueinander regeln darf. Nur die Liebe gibt allem Empfinden und Wollen die Krönung, sie allein befähigt den Menschen zu den edelsten Taten, nur in ihr findet er seines Wesens Vollendung. Auch das Erhabenste, die Gottheit, vor der das sterbliche Wesen in tiefster Demut und Ehrfurcht sich beugt, kann nur von dem begriffen und in Wahrheit verehrt werden, der in selbstloser, jedes Opfers fähiger Liebe sich ihr hingibt. Aber das Recht und die Kraft zu dieser Empfindung, die doch mit der Ehrfurcht nicht ganz vereinbar scheint, schöpfen wir unsererseits aus dem Bewußtsein, daß Gott nicht allein unser König, sondern daß er auch unserVater ist, daß Er uns liebt, wie man eben ein Kind liebt und darum auch wir ihm uns nahen dürfen, wie Kinder ihrem Vater. In dem Verhältnis zwischen König und Volk hat die Bibel vor allem das Gebot der Ehrfurcht betont. Auch in der talmudischen Literatur kommt das zum Ausdruck. Es gibt keinen Menschen, der nicht auf die ihm schuldige Ehrerbietung verzichten könnte, auch der Vater, der Lehrer, dem man das Höchste verdankt, der uns unser Wissen geschenkt, unseren Charakter gebildet. Nur vom König heißt es:מלך שמחל על כבודו אין כבודו מהול. Ihm darf man auch dann, wenn er sich herabläßt, nicht anders nahen als in Ehrfurcht. Und zu Gott beten wir in unserer Bedrängnis אבינו מלכנו unser Vater, unser König! und bringen damit zum Ausdruck, daß wir in dem Attribut ״unser König“ eben nur das Ehrfurchtheischende an Gott und nicht den Vater, den Spender der Liebe denken. Wie alles, was uns aus der Bibel kommt, halten wir auch die Stellung, die sie dem Untertan gegenüber dem Könige an sich, dem Königtum in abstracto anweist, für richtig. Der König ist nicht dein ״Nächster“, den zu lieben dir geboten, den deine Liebe irgendwie in seinem Wohle fördern kann, er ist nicht der Vater, zu dem das Kind von vornherein in einem innigen ״gemütlichen“ Verhältnis steht, er ist nicht der Gott־ heit vergleichbar, von der unser Alles stammt, kraft deren Allmacht und Allgüte wir im Lichte atmen, leben, wirken, unser vorgestecktes Ziel erstreben. Er ist der höchste Repräsentant