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Jeschurun · 1915-01-01 · Heft 1 (Januar 1915) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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U Unser Kaiser. Feuerprobe in diesem großen Kriege aufs glänzendste bestanden bat. Das böcbste Opfer bringt man der Forderung der Gerechtigkeit, wenn man in einem Streit, in dem man selbst Partei ist, zugunsten des anderen entscheidet, Selbstüber- Windung übt und ohne daß man das Urteil einer höheren Instanz zu gewärtigen hat, das tut, was man nach gewonnener besserer Erkenntnis, für Rechtens hält. Und darum muß ich hier jene Episode erwähnen, an die man jetzt, wo ein so inniges Band den Kaiser und sein Volk umschlingt, nicht gern erinnert sein will. Meiner Meinung nach zu Unrecht. Denn für mich bedeutet sie den Höhepunkt in der inneren Entwicklung des Kaisers und zeigt mehr als viele andere Züge, daß er nicht nur streng gegen andere sondern auch streng ist gegen sich, daß er ein starker Charakter ist, dies Wort im edelsten Sinne genommen, daß sein ganzes inneres Wesen beherrscht wird von der Idee der Gerechtigkeit. Der Kaiser hat von dem Augenblicke an, wo ihm zum Bewußtsein kam, daß die Gesamtheit des Volkes aus seinem ״Hervortreten ohne ministerielle Bekleidungsstücke“ Schädigungen für das Wohl des Reiches befürchtete, nie mehr in altgewohnter Weise sich geäußert. Unsere jüdischen Ethiker können sich nicht genug tun in der Schilderung der ungeheuren Größe seelischer Mühe und Arbeit, die mit jedem Versuch der Änderung einer Charaktereigenschaft verbunden ist. Nur eine Persönlichkeit, deren seelische Regungen alle ausmünden in der Achtung vor der Forderung der Gerechtigkeit, kann solche Arbeit mit Erfolg zu Ende führen. Und unser Kaiser hat dies Große vollbracht, und darum dürfen wir ihn rühmen als einen König der Gerechtigkeit. ni. Durch 30ןי Reden unserer Propheten, die Lieder unserer heiligen Sänger, die Sprüche unserer Weisen zieht sich der Gedanke, daß nicht Recht und Gerechtigkeit allein den Bestand der Welt, den Fortschritt der Kultur verbürgt, das Verhalten

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