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Jeschurun · 1915-01-01 · Heft 1 (Januar 1915) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 1 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Unser Kaiser. II sich nie hat durchsetzen können. Einer der tatkräftigsten, siegreichsten und darum auch stärksten Könige war sicherlich Achab. Und dennoch wagt ein einfacher Bauer ihm zu trotzen: ״Naboth, der Isreeli, hatte einen Weinberg neben dem Palaste Achabs, des Königs von Schomron! Da redete Achab auf Naboth ein: Gib mir deinen Weinberg, ich brauche ihn als Garten, er liegt mir so schön nahe bei meinem Hause, ich will dir dafür einen besseren Weinberg geben oder, wenn du das lieber willst, ihn dir gut bezahlen. Aber Naboth sagte zu Achab: Gott behüte, wie werde ich dir das Erbe meiner Väter gebend (I. Kön. 21,1—3). Die Geschichte läuft anders aus wie beim Müller von Sans-Souci, denn Achab war nicht Friedrich der Große. Achab läßt, von seiner Frau Isebel verführt, durch falsche Zeugen den Naboth der Gotteslästerung und der Majestätsbeleidigung überführen, ihn hinrichten und sein Erbe konfiszieren. Also auch ein Achab wagt nicht, sich mit Gewalt das Erbe dieses Bauern anzüeignen. Er wählt den krummen und heimlichen Weg, weil er das Hecht nicht offenkundig zu verletzen sich erkühnen darf. Aber ein noch viel beredteres Zeugnis für die Beschränkung des Königtums durch das von der Bibel geforderte und vorausgesetzte Rechtsbewußtsein im Volke legt der Umstand ab, daß dieser Vorfall der Dynastie Achabs den Thron kostet. Achab und Isebel sind in der Bibel das Prototyp ruchloser Götzendiener. Sie haben den Baalskultus eingeführt und die reine israelitische Religion bis auf einen kümmerlichen Rest ausgerottet Das ganze Leben und Wirken eines der größten Propheten, Elijahus, ist gegen sie gerichtet. Aber der Untergang wird ihnen und ihrem ganzen Geschlecht auf Gottes Geheiß nur um des Verbrechens an dem Bauern Naboth willen angekündigt. ״Und da Achab diese Worte hört, da zerreißt er seine Gewänder, hüllt sich in ein härenes Gewand, er fastet, schläft in seinem Trauerkleid und geht bedrückt einher.44 Er erkennt und bekennt seine Schuld. Ein König und ein Volk, die so durchdrungen sind von dem Gedanken: Recht muß Recht bleiben, die haben zweifellos das Verhältnis zueinander gewonnen, das allein dem Reiche frommt.

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