Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Unser Kaiser. 7 war und darum jederzeit eines Angriffes gewärtig sein mußte, die Zusammenfassung der Zentralgewalt in der Hand eines Herrschers besonders dringlich erheischte. Hat doch auch der ”Weltkrieg unzählige Deutsche, die früher der Institution des Königtums feindlich oder gleichgültig gegenüber standen, davon überzeugt, daß, von allen anderen Gründen abgesehen, schon allein die unglückliche geographische Lage Deutschlands eine Zentralisation der Gewalt erfordert, wie sie allein ein starkes Königtum gewähren kann. Zweitens: Das Prinzip der Legitimität wird zwar nicht als Forderung im pentateuchischen Gesetz ausgesprochen, hat sich aber in der jüdischen Königsgeschichte durchgesetzt. Der Gedanke, daß das Königtum nur dann seinem innersten Wesen gerecht werden kann, wenn es von den Stürmen und Leidenschäften verschont bleibt, welche mit der Wahlmonarchie, mit den Umtrieben von Kronprätendenten verknüpft sind, tritt uns in den geschichtlichen Büchern der Bibel und in den Heden der Propheten wiederholt und mit Entschiedenheit entgegen. Die Greuel der Bürgerkriege, die sich im Reiche Israel abspielten, die völlige Verwilderung in den politischen Verhältnissen vor dem Untergange des Reiches redeten eine allzudeutliche Sprache. Ein ganz eigenartiges, man möchte sagen rührendes Zeugnis davon, wie sehr sich das Legitimitätsprinzip im Reiche Juda durchgesetzt, wie fest es da im Herzen des Volkes wurzelte, haben wir in dem Bericht II. Könige 14 V. 19—21. Gegen den König Amazjahu wird eine Verschwörung angezettelt, er flieht und wird ermordet. Aber die Verschwörer selbst führen seine Leiche heimwärts und sorgen dafür, daß er ״in Jerusalem bei seinen Vätern in der Stadt Davids beigesetzt wird“. Und es ist selbstverständlich, daß sein Sohn an seine Stelle zum König ausgerufen wird. Daß diese Legitimität ihre Schattenseiten hat, daß auch unfähige und schlechte Herrscher auf den Thron kommen können, dessen war man sich wohl bewußt. Aber ״um meines Knechtes David willen“ soll die Dynastie in Juda unabsetzbar sein. Modern ausgedrückt: die