Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- Seite 453 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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453 Dio Vorgeschichte Israels und seiner Religion. herrschenden theologischen Anschauungen. Zum ersten: Hat jemals ein vernünftiger Religionslehrer das Buch Hiob, manche Psalmen, Jes. 27 usw. unterrichtet, ohne darauf zu verweisen, daß die Propheten und heiligen Sänger in ihrer Poesie das gemeinsomitische Erbgut der Kosmogonie uud Sagenwelt verwertet haben, weil sie eben zum Volke in der Sprache und in den bildlichen Vorstellungen des Volkes reden mußten? Hat man nicht immer in dom Gcsotzbueho Hammurabis eine glänzende Bestätigung der noachidischen Gesetzgebung gesehen? Wer hat bei der Auffindung der Texte in Elephantine nicht sofort an das Beweismaterial gedacht, das hier für das hohe Alter der mündlichen Überlieferung gegeben war, wenn in den Ehekontrakten einer vom heimatlichen Boden losgelösten jüdischen Militärkolonie, deren Formeln also viele Jahrhunderte alt sein müssen, der Tenor der כתובה wörtlich wiederkehrt, wie er uns fast siebenhundert Jahre später in der Mischna begegnet? Aber andrerseits: Will der Verfasser uns wirklich überreden, in den Agadas über das geistige Leben der Ahnen Israels Quellen der Geschichte oder Grundlagen der Dogmen anzuerkennen? Dann müßten wir im Interesse des überlieferten Judentums gegen eine solche Grenzverwischung zwischen halachischem und agadischem Gut energisch protestieren. Wo kominou wir hin, womi wir den Angrifibn, dio gegen dio natur« wissenschaftlichen, medizinischen, geschichtlichen Anschauungen der Agadiston erhoben werden können, dadurch einen Schein von Recht zuorkennen, daß wir dio Agada als etwas anderes nehmen, als was alle denkondon Männer im Judentum in ihr seit Jahrtausenden gesehen? Ihnen allen war sie eine Sammlung ethischer unu religiöser Sätze in den mannigfachsten Um- und Verkleidungen, durchzogen von allerlei Gebilden der Volksanschauung. Der Verfasser selbst ist ja gar nicht dieser Meinung. Er hat in seinem zu temperamentvollen Denken nur übersehen, daß er aus der überlieferten Agada nur gerade das wählt, was mit seinen Theoremen im Einklang steht• Bei ruhiger Überlegung wird er sich solber sagen, daß z. B. seine Aus-