Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- Seite 432 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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432 Die Bedeutung der Gutachtenliteratur für die jüdische Geschichte. besitzen wir auch eine Anzahl namhafter Gutachtonsammlungon von historischem Werte. So bietet z. B. auch die Gutachten- Sammlung des R. Mose Isserles, der die Glossen zum Schulchan Arucb schrieb, viel des Interessanten. Hier wollen wir einiges aus den Gutachten eines Mannes erwähnen, der gerade vor dem Wendepunkte in der Geschichte der Juden Polens wirkte, von R. Joel Serkes. Er war Rabbiner in mehreren kleinen Gemeinden Polens, zuletzt in Krakau, wo er 1640 starb. Seine Gutachten werfen manches Streiflicht auf die Verhältnisse und geben uns oft einen Fingerzeig zum Verständnis der nachfolgenden Ereignisse. So erwähnt er, daß man an manchen Orten die Pacht der Abgaben verboten habe, weil man aus derselben eine Gefahr für die Allgemeinheit befürchtete; die Christen hätten sich nämlich beklagt, daß die Juden sie bodrückten, und daß sie über sie herrschten ״wie Fürsten und Könige“. Pachtverhältnisse bilden überhaupt oft den Gegenstand der in den Gutachten zur Entscheidung kommenden Streitfragen. So wird von einem Manne berichtet, der von Adeligen Städte und Dörfer gepachtet hatte; er hatte davon viel Ertrag und brachte das Getreide zu Schiff, um es an Händler zu verkaufen. Es waren nun jüdische Zollpächtor da, die im Aufträge des Königs Abgaben von ihm verlangten, die er aber verweigerte, weil die Adeligen, wenn sie selbst ihr Getreide zu Markt brächten, Zollfreiheit genössen, er aber nur ihr Bevollmächtigter sei. Die Frage wird R. Joel vorgolegt, der zugunsten dos Mannes entscheidet. — In verschiedenen Responsen ist von Kämpfen zwischen Polen und Russen die Rede, und einmal wird ein Jude erwähnt, der mit den KosakeD gegen die Russen kämpfte und dabei umkam. Die Kosaken beklagten dann den Tod des tapferen Reiters. Einmal ist auch von einem Juden die Rede, der seinen Glauben verließ und im Heere von Wallenstein Dienste nahm. — Auch die Kunde von den freigeistigen Bestrebungen in Amsterdam, die uns an den Namen Uriel Akosta erinnern, scheint bis nach Polen gedrungen zu sein. R. Joel erwähnt einmal eine Klage, die an ihn gekommen sei wegen eines Arztes in Amsterdam,