Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- Seite 431 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dio Bedeutung der Gutachtcnliteratur für die jüdiscl 10 Geschichte. 431 größten Teil au« den Gutachtonsamrnlungon einiger hervorragender Rabbiner Kunde, von denen besonders It. Moses bon Isak Hallevi aus der Gelehrtenfamilie Minz zu nennen ist. Er stammte aus Mainz. Bei der Plünderung dieser Stadt 1455 verlor er sein Vermögen, den größten Teil seiner Bücher und eine Anzahl Gutachten, die er auf von ihm selbst gestellte Anfragen von den bedeutendsten Rabbinern seiner Zeit erhalten und in einer besonderen Sammlung zusammengestcllt hatte. Auch von den von ihm selbst verfaßten Gutachten gingen ihm damals mancho verloren, die übriggobliebonon und später vorfaßten hat er seihst sehr sorgfältig redigiert und mit der Absicht, sie herauszugeben, mit einem Index versehen. Sie enthalten wertvolle Angaben über das Leben in der Gemeinde, über ihre Verwaltung, über verschiedene Verordnungen, dann auch über das Familienleben und die Feier von Familienfesten. R. Moses Minz gibt auch eine interessante Schilderung der Trauungsfeicrlichkcit n^ch dom Gebrauch, wio er im 15. Jahrhundert in Bamberg üblich war. Auch über die Beziehungen zwischen Juden und Christen finden wir manche interessante Angabe. Im 14. und 15. Jahrhundert, wo dio Geschichte der Juden in Deutschland fast nur eine endlose Reihe von Verfolgungen, Plünderungen und Austreibungen ist, wanderten viele nach Polen aus, und cs fand so eine wesentliche Vermehrung der jüdischen Bevölkerung des polnischen Reiches statt. Dio Juden konnten in Polen bis zum .Jahre 1648 verhältnismäßig ruhig leben; wenn es auch an vereinzelten Verfolgungen nicht fehlte, so *vurdon sio doch von dem Adel beschützt, der sie brauchte. Denn dio Juden waren häufig dio Geschäftsführer der Adeligen, dio Pächter der Zölle, Branntweinbrennereien, Abgaben usw. Der Kosakenaufstand dos Jahres 1648 machte aber diesem ruhigen Dasein ein Endo. In den Verfolgungen des Jahres 1648 und der folgenden Jahre wurde ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung Polens vernichtet. — Datf Talmudstudium hatte in Polen eine Höhe erreicht wie zur Zeit der Tosapbisten, und von den großen Gelehrten Polens 30