Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- Seite 430 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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430 Die Bedeutung der Gutachtenliteratur für die jüdische Geschichte. er von Verfolgungen, bei donon er kaum das nackte Loben retten konnte. — Eine Gutachtensammlung von großer Wichtigkeit aber rührt von einem .deutschen Tosaphisten her, von R. Meir ben Baruch aus Rothenburg, der größten rabbinischon Autorität in Deutschland in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. R. Meir wurde bekanntlich von Kaiser Rudolf gofangen genommon; er starb nach siebenjähriger Haft im Gefängnisse, und erst 14 Jahre nach seinem Tode gestattete Kaiser Albrccht gegen ein großes Lösegold die Herausgabe und Beisetzung der Leiche. Die Gutachten R. Meirs umfasson Kragen rituoller, liturgischor, zivil- und strafrechtlicher Natur, sie behandeln Eigentumsrecht, Handels- und Wechselrecht, Ehe- und Erbrecht, Polizei- und Strafrecht und besonders auch Staats und Gemeinderecht. Die letzteren sind für die Kenntnis der inneren Verhältnisse der Gemeinden wie für ihre politische Stellung von höchstem Interesse; sie geben uns einen Einblick in die Art der Besteuerung der Kammorknechte des heiligen römischen Reiches und in die mannigfachen Streitfragen, die daraus entsprangen. Verschiedene Gutachten behandeln die Frage der Gefangenonauslösung in ihren Einzelheiten, und wir sehen daraus, wie häufig damals die Verhaftung von Juden zu Gelderpressungszwecken vorkam; eine Praxis, der ja auch R. Meir selbst zum Opfer fiel. .Die zahlreichen Gutachten, welche die Schlichtung von Differenzen zwischen dem Lehrer und dem Vater des Kindes über Anstellungs- und Gehaltstagen behandeln, zeigen uns, wio verbreitet die Sitto war, den Kindern einen Hauslehrer zu halten, und wie man auch in jener Zeit der größten Drangsale den Unterricht der Jugend nicht vergaß und für ihre Erziehung die größten Opfer brachte. Der ״schwarze Tod״, jene furchtbare Pest, welche im Jahre 1349 Deutschland verheerte, war für die Juden doppelt verhängnisvoll. Das wahnwitzige Märchen von der Brunnen- Vergiftung kostete Hunderttausenden das Leben, •und so kam zu der Verwüstung der Gemeinden durch den Tod noch die durch Mord, Auswanderung und Abfall. Über die Zustände aus jener Zeit und aus dem 15• Jahrhundert erhalten wir zum