Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- Seite 429 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Dio Bedoutung dor Gutachtonlitoratur für dio jüdische Geschichte. 429 wurden. Sic betrafen das eheliche Verhältnis zwischen Mann und Frau. Ferner erfahren wir Näheres über die verschiedenen Steuern, welche die Juden zu entrichten hatten; denn auf die Handhabung der Steuerschraube gegenüber den Juden verstanden sich auch die Fürsten in der Berberei sehr gut. Eine Abhandlung des R. Simon ben Zemach ist der Frage gewidmet, ob es dem Rabbiner gestattet sei, für sein Lehramt Gold anzunehmen, was damals, entsprechend dem früheren Brauch, noch nicht allgemein eingeführt war. Wir erfahren aus seinen Gutachten auch, daß in vielen Gemeinden Nordafrikas nicht nur unter dom Volke, sondern auch unter den religiösen Führern eine große Unwissenheit herrschte. Er unterläßt es nicht, bei manchen Antworten hinzuzufügen, daß die Ansicht des anfragenden Rabbiners große Irrtümer enthalte, daß die Urkunden, dio ihm aus dor und jener Gegend zukämen, von Fehlern strotzten, und er belegt dio unwissenden Richter mit Ausdrücken, die nichts weniger als schmeichelhaft sind. Einzelne Gutachten betroffen das Vorhalten gegenüber den Marannen, jenen Unglücklichen, welche bei den Verfolgungen zum Scheine das Christentum annahmen. R. Simon ist im allgemeinen für oino milde Praxis gegoniibor den zum Abfall Gezwungenen. Wenden wir uns jetzt nach einem anderen Zentrum jüdisch-wissenschaftlichen Strebons. An Iiaschi, den klassischen Kommentator des Talmud, schließt sich in Nordfrankreieh und spätor auch in Deutschland dio Schule der Tosaplustcn an, deren Bestrebungen hauptsächlich auf dem Gebiete der kritischen Durchforschung und Erklärung des Talmud lagen. Größere Gutachtonsammlungcn, dio von besonderer Bedoutung für die Geschichte wären, besitzen wir von den nordfranzösischen Tosaphiston nicht, wenn auch manche bemerkenswerte Einzelheit in den Responsen des R. Jakob Tarn, des Enkels von Rascbi, sich findet. So erfahren wir von ihm, daß er viel bei Hof und bei hohen Herrschaften verkehrte und dort in großem Ansehen stand; aber den Umschwung, den der zweite Kreuzzug herbeiführte, mußto er in seinen letzten Lebensjahren selbst erfahren, und in einem später geschriebenen Gutachten spricht