Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- Seite 417 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das groß» Hassen. 417 sprechen. Die Geistigen begnügten sich, den Krieg vom Tage der Mobilmachung an bildschön zu finden* (März VIII. Heft 48.) Und in den „Nationalliberalen Blättern11, also einer, wenn inan so sagen darf, offiziell patriotischen Zeitschrift lesen wir: „Es ist nicht so schwer, den Krieg der Weihnachtsstube fern z uh alten, wie manche Eltern denken mögen. Wir dürfen uns nicht verleiten lassen, nationalen Haß und nationale Rache, obwohl sie im blutigen Handgemenge eine Notwendigkeit, als Grundton unseres Weihnachtsfestes anklingen zu lassen. Wer seinem Kind Geschenke macht, wie z. B. karrikierte englische oder russische Hampelmann eben, der versündigt sich an der Zukunft nicht nur unserer Jugend, sondern an der Zukunft unserer gesamten Menschheit. Das sollten wir aber gerade zu Weihnachten vermeiden. Niemals ist der Godanko an die Menschheit, an die Gleichheit ihrer Lobonsrechte und an ihr Glück so mächtig als an dom Tage, da nach altem Menschlicitsgl&uben der Erlöser der Welt geboren wurde. Niemals fühlen wir so viel neue schöpferische Kraft, als zu der Zeit, da, nach altem Mythos unseres Volkes, der Frühling seinen Einzug hält, mit neuem Licht, neuen Farben, neuer Wärme. Benutzen wir diesmal mehr wie in den vergangenen Jahren das Weihnachtsfest, das Geburtsfest der Menschheit, unsere Jugend zu würdigem, selbstbewußtem Menschentum zu erziehen. Die Vergangenheit der Weltgeschichte schreibt nichts darüber, was die Völker in gegenseitiger Verkennung vernichtet, sondern sie berichtet nur darüber, welche Stufo nationaler Gesittung auf dem Wege zu menschlicher Kultur die Völker erreicht haben. Das unsere Jugend auf diesem Wege ein gutes Stück weiterkomme, daß sie die neuen Kräfte fruchtbar verwendet, in Arbeit, Gemeinsamkeit und Frieden, dazu möge uns dieses Weihnachtsfest verhelfen“. (Angeführt im Berliner Tageblatt vom 14. Nov. morgens.) Und mit diesem Zitat sind wir mitten in der Beantwortung der gestellten Frage. Was unseren niehtjüdischen Mitbürgern das eine Fest an ethischen Werten bietet, das bedeutet für uns jeder Freitag Abond. Aus dom Getriebe der Welt, aus Stroit und Hader werden wir urplötzlich herausgerissen; im Sabbathfrioden des Hauses weilen wir, wie auf der Insel der Seligen, unsere Gedanken allein Gott geweiht, den wir in Tischgesängen lobpreisen, und unseren Lieben, die alle um uns voroint. Dio Engol dos Friedens begrüßen wir beim Ein* »9»