Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- Seite 416 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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416 Das große Hassen. und gewisse Vorkämpfer der christlichen Theologie. Wer die Zeitschriften und Zeitungen verfolgt hat, dem kann es nicht entgehen, daß vorwiegend diese Männer, welcho die Ethik von der positiven Religion oder zum mindesten von den heiligen Büchern der Juden loslösen wollten, der Kriegspsychose erlagen und alles verbrannten, was sie früher angebetet haben. Es genügt hier, nur zwei hervorragende zu nennon: den Vorsitzenden des Monistenkongresses Ostwald und den Philosophen Lasson, der seine Vorlesungen zumeist mit theologischem Inhalt orfüllto und vor allom um dio Weihnachtszeit nicht müde wurde, mit zündenden Worten uns den Gedanken naho zu bringen, wie ihn, den frühoron Juden, alloin der Gedanke an dio christliche Liebe erlöst hätte. Und jotzt haben sie cs mit ihrem Hassen so weit getrieben, daß offizielle Kundgebungen gegen sie einschreiten mußten. Wir wollen im Folgenden dem Haß seine Grenze stocken, zu zeigen versuchen, wo er eine sittliche Verirrung und wo er ein Gott wohlgefälliges Empfinden ist. Das ist, wir wissen es wohl, heute eine undankbare Arbeit. Das Denken der Menschen hat sich völlig verwirrt, sie wollen nicht belehrt sein, und wer den Krieg nicht an sich verherrlicht oder dem Gegner gerecht zu werden sucht, der gerät leicht in den Verdacht, er wäre eine kalte, nüchterne Natur oder es fehlte ihm an der rechten Vaterlandsliebe. Aber wir stehen nicht alloin da. Zur Ehre der Menschheit und zur Ehre Deutschlands sei es gesagt: gerade unter uns, den von allen Seiten Umstellten und Verfolgton, sind ununterbrochen Stimmen laut geworden, die der blinden Verherrlichung des Krieges und den rohen Ausbrüchen dos Hasses entgegentraten. Nur zwei Zitate aus Kundgebungen der letzten Tage*. „Die traurigsten Gestalten des Krieges sind dio Intellektuellen. An ihnen wäre es gewesen, Widerstand zu leisten, während des Krieges die Güter des Friedens zu retten. Statt dessen liefen sie hinter den Soldaten her, fuchtelnd, und unterschieden sich von der Masse nur durch ihr lauteres Schroien. Wer das Leid des Krieges erfahren oder empfunden, in aller Unmeßbarkeit empfunden hat, der mag, wenn er kann, sein »Dennoch!*4