Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 11 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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412 Moral als Politik. Deutschland ist stärker, aber nicht nur, weil es eine moralische Politik, sondern weil — im ganzen und großen — es Moral als Politik geübt hatte. Kein Staat kann sich ihm vergleichen an solcher Arbeitsfreudigkeit, Ordnung, Beamtentreue, Gewissenhaftigkeit, Pflichtbewußtsein, Fehlen der Korruption, Gesundheit der Lebensführung, in dem Bestreben die sozialen Gegensätze auszugleichen und jedem Bürger ein würdiges Dasein zu ermöglichen. Und wäre Deutschland solcher Politik noch treuer gefolgt, hätte es seiner Verfassung noch strengere Gültigkeit verschafft, hätte nicht den Antisemitismus, die Bevorrechtung des Adels u. a. m. geduldet, gleiches Hecht für Alle als höchsten Gesichtspunkt gelten lassen, es wäre heute noch viel stärker und unüberwindlicher. Das Bestreben, in dieser Zeit jeden Fehler früherer Epochen wieder gut zu machen, es zeigt deutlich, daß man sich voll bewußt ist: Moralität als Grundlage der Politik ist die höchste Stärke der Völker. Der Gedankengang läßt sich vollkommen durchführen. Daß Serbien an der unmoralischen Politik zusammenbricht, daß Frankreich, weil es die Idee der Hache als leitenden Staatsgedanken erwählt hatte, verarmt ist und jetzt sich zugrunde richtet, daß Belgien mit seinem Doppelspiel sein Ende heraufbeschworen hat, alles das liegt klar vor aller Augen. Aber jeder erkennt auch, wie Englands Politik Schiffbruch leidet, wie es den Zweck seiner Intriguen und kalten Selbstsucht nicht erreicht. Im Gegenteil: mag der Krieg für England ausgehen wie er will, das ist offenbar: es muß selbst noch einmal dafür büßen, daß es den Völkern des fernen Ostens das Schwert des Verbrechens in die Hand gedrückt hat, das sich einmal gegen es selbst kehren muß. Aber ich gehe noch weiter: Das Blut der Progrome, die Rechtsbeugung der Beilisprozesse. die Unterdrückung der Polen und Finnen, die Demoralisation des ganzen öffentlichen Lebens im Zarenlande, alles dies rächt sich nicht nur an Hußland. Dieselben Horden, die dem Heiche der Homanow das ewige Kainsmal aufgeprägt haben, ergießen sich jetzt über Ostpreußen