Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 11 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Moral als Politik. 413 und Galizien, und am eigenen Leibe haben die Deutschen und Österreicher die Entartung des Nachbarlandes zu verspüren. Hätte früher irgend jemand gesagt: um des unschuldigen Blutes von Kischinew und Homeln, um der Mißachtung der Autonomie von Finnland hätte Deutschland das Schwert ziehen oder wenigstens intervenieren müssen; weil Moral die Politik zu bestimmen hat, weil auch die Völker nicht gleichgültig beim Blute des Nächsten stehen durftenx), wir hätten ihm kaum das Ohr geliehen. Und doch ist es wahr! Weil Rußland nicht Freiheit und Recht in seinen Grenzen verkündet hat, so zeichnet sich jetzt die Blutspur der Barbarei nicht nur in den Provinzen Rußlands, sondern auch in den blühenden Gefilden Deutschlands, so haben, nach des Propheten Wort, alle, die es zuließen, ihr Land vogelfrei gemacht; haben die Mißachtung der Moral, die sie nicht rächen wollten, durch eigenen Schaden zu beklagen. So klingt dem denkenden Juden aus dem erschütternden Schauspiel der Gegenwart die prophetische Geschichtsbetrachtung entgegen. Möge es wahr werden: ״daß die Bäume des Waldes jubeln und das Meer und was es füllt, frohlockt vor dem Ewigen, wenn er kommt, ja kommt die Welt zu richten, er richtet die Welt nach Gerechtigkeit und die Völker nach ihrer Sittlichkeit.“ ף vergi. ואל תעמוד על הפרק וגר obadjah 1,14.