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Jeschurun · 1914-11-01 · Heft 11 (November 1914) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 11 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Das ״Kainszeichen״. 407 flüchtig, der Rache des □גאל חד zum Opfer falle, mag man dabei an Adam und Eva oder deren Nachkommen denken. Das geht aber über das hinaus, was das Gottesurteil über Kain verhängt hat und Gott selber nicht will. Die Beschwerde Kains wird als berechtigt anerkannt (V. 15 לכן), und Gottes Fürsorge muß Anstalten treffen, um Kain gegen diese nicht gewollte Konsequenz zu schützen. Das geschieht nun in derselben Weise, wie das Gesetz Num. 35,9 ff. den absichtslosen Mörder vor der Rache des גאל הדם schützt und ihm in der עיר מקלט ein Asyl bietet, das auch der גאל הדם respektiren muß. Indem nämlich Gott die ursprünglich verhängte Doppelstrafe, unstät und flüchtig zu sein, umwandelt, die Unrast (נע) aufhebt und nur die Verbannung (נוד) bestehen läßt, erfährt Kain dieselbe Wohltat, die das spätere Gesetz dem fahrlässigen Mörder angedeihen läßt: V. 16 וישב בארץ נוד Kain kann sich im Lande der Verbannung niederlassen, wohl getrennt von den übrigen Menschen, aber geschützt gegen ihre etwaigen Anschläge auf sein Leben. Diesen Zusammenhang der Erzählung bestätigt auch die talmudische Auffassung ר, נהמיה אמר לא כדינו של רוצהנים דינו של קין קין הרג ולא היה לו ממי ללמוד. R. Nechemia sagt: Kain ist darum nicht als Mörder zu beurteilen, weil er als erster, der jemals getötet, über das Verwerfliche seines Tuns noch keine Einsicht haben konnte. In der Umwandlung der ursprünglich verhängten Strafe erblickt auch Midr. Tanchuma (ed. Buber S. 19) das Endresultat unserer Erzählung: חייך שאני מבטל גזירה שנא' ויצא קין מלפני ה' וישב בארץ נוד. Der Sinn dieser Tauchuma-Stelle wird uns erst durch die Pesikta klar (ibid. von Buber angeführt): וביון שעשה תשובה נמנעה ממנו חצי גזירה ומנין שנמנעה ממנו הצי גזירה ויצא קין מלפני ה' וישב בארץ נוד קדמת עדן בארץ נע ונד און כתיב באן אלא בארץ נוד, d. h. ״Da Kain keine Buße getan, hat Gott ihm die Hälfte der Strafe erlassen, wie es heißt: Kain ging fort und ließ sich im Lande Nod nieder. Zuerst zu נע ונד, zur Unrast und Verbannung verurteilt, kann er sich schließlich im Lande der Verbannung niederlassen — die Unrast ist ihm erlassen. 28

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