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Jeschurun · 1914-11-01 · Heft 11 (November 1914) · page 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 11 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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Das ״Kainszeichen“. 405 Das ״Kainszeichen״ Versuch einer Erklärung zu Gen. 4.15 von Babb. Dr. Bahr, Prenzlau. ״Es steht ihm an der Stirn geschrieben. Daß er nicht mag eine Seele liehen/‘ (Göthe, Faust I.) Aus unserm biblischen Sprachschatz hat das ״Kainszeichen“ seinen Weg in die deutsche Literatur gefunden und hat sich selbst in unserer Umgangssprache Heimatsrecht erworben. Sein Ursprung geht auf die Stelle Genesis 4,15b zurück: ..Gott setzte dem Kain ein Zeichen, damit keiner ihn erschlage, der ihn treffe.“ Welcher Art dieses Zeichen war, ist in der biblischen Erzählung nicht gesagt; um so mannigfaltiger sind darüber die Meinungen unserer Bibelerklärer. Man hat die Wahl, an ein Zeichen zu denken, das der Person Kains selber anhaftete, etwa ein Buchstaben des Gottesnamens (Baschi nach Targ. Jon.), schreckenerregendes Aussehen (B,. Nechemia in Ber. rab.Y. Horn auf der Stirn (Abba Jose ibid.}? oder auch an äußere Zeichen, die ihn vor Tötung schützen sollten, wie Aufleuchten des Sonnenballs (B. Jehuda in Ber. rabba), Begleitung eines Hundes (Ramban), Aufstellung einer Warnungstafel mit der Inschrift: 'לכן כל וזרדג קין וגי. Für keine dieser Deutungen bietet das Schriftwort selbst einen Anhalt, und es fragt sich, ob nicht der Zusammenhang der Erzählung selbst eine Aufklärung gibt über das Zeichen, das dem im Text angegebenen Zweck Rechnung trägt. Kain gegen Mörderhand zu schützen. Wenn im folgenden versucht wird, eine Deutung zu geben, die von allen bisherigen abweicht, so ist sie aus dem Bestreben hervorgegangen, die Schrift aus der Schrift zu erklären und nichts in sie hineinzutragen, das nicht im Schriftwort selber begründet ist. So darf von vornherein unsere Deutung wenigstens den einen Vorzug für sich in Anspruch nehmen, aus dem Zusammenhang der Erzählung selbst wie aus den Anschauungen geschöpft zu sein, die uns aus anderweitig gebotenen religiösen Vorstellungen und Bestimmungen bekannt sind.

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