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Jeschurun · 1914-11-01 · Heft 11 (November 1914) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 11 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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398 Die Bedeutung der Gutachtenliteratur für die jüdische Geschichte. Diese Quellen kommen natürlich alle mehr oder weniger auch für die jüdische Geschichte in Betracht; nur tritt hier noch eine wichtige Quelle hinzu, die manchmal über Perioden Licht verbreitet, welche ohne sie ganz in Dunkel gehüllt wären. Das Leben des jüdischen Volkes war von Anfang an mit seiner Lehre aufs engste verknüpft, die Geschichte unseres Volkes ist zugleich auch die Geschichte seiner Lehre, und mit gutem Grunde hat man Israel den Beinamen עם הספר gegeben. Besonders seit der Zerstörung des Tempels und der Vernichtung der staatlichen Selbständigkeit war ja die Lehre der einzige Zusammenhalt, war sie der unsichtbare Mittelpunkt, das geistige Band, welches die zersprengten Glieder des Volks Organismus zusammenfaßte, und das hehre Ideal, für welches unsere Väter lebten und starben. Sollte in dieser Lehre sich nicht ebenfalls irgendwie das Leben des Yolkes abspiegeln? Freilich nicht in ihrer Entwicklung: denn von einer Entwicklung im eigentliehen Sinne kann ja bei der Thora nicht die Bede sein. Die Thora ist nicht aus dem Volke heraus entstanden, sondern sie ist von außen ]]ineingetragen, ist dem Volke als etwas Fremdes gegeben worden, und das Volk mußte sich zu der Lehre entwickeln, mußte seine Anschauungen und seine Lebensordnung nach den in der Lehre niedergelegten Gedanken und Idealen formen und gestalten. Aber in der Art, wie sich das Volk zu der Lehre entwickelte, wie es die Lehre, die uiiveränderliehe, auf das Leben anwandte und das Leben nach ihr zu gestalten suchte, darin sind doch wohl auch die äußeren Geschicke dieses Volkes zu erkennen, und das geschichtliche Dokument dafür bildet die schier unübersehbare Gutachtenliteratur, die deshalb eine Geschichtsquelie von hohem Werte darstellt. Die Besponsenliteratur ist eine Erscheinung, die sich aus dem Begriff der Autorität des Gesetzes, wie ihn das Judentum au haßt, mit Notwendigkeit ergibt. Als Grundlage des staatliehen und religiösen Lebens wurde die Lehre dem Volke gegeben, und zwar als schriftliche und mündliche Lehre. Aber das Gesetz kann unmöglich auf alle Erscheinungen des Lebens emgehen. und am wenigsten kann dies ein Gesetz, das für Jahr-

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