Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 11 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bedeutung der Gutachtenliteratur für die jüdische Geschichte. 399 tausende hinaus für ein Volk richtunggebend sein soll. Denn das Leben mit seinen mannigfaltigen Verhältnissen schafft immer neue Probleme, und für die Lösung derselben können in der Lehre nur die Grundsätze niedergelegt werden. Schon in der Thora selbst finden wir, daß im Anschluß an eine Anfrage ein Bechtsfall. der noch nicht vorgesehen war, zur Entscheidung gebracht wird. Es handelt sich um das Erbrecht. Das gelobte Land sollte an die männlichen Nachkommen der Israeliten verteilt werden, die aus Ägypten gezogen waren. AVie aber sollte es sein, wenn keine männlichen Nachkommen, sondern nur Töchter vorhanden waren? Sollten sie leer ausgehen? Die Töchter Zelaphchads, deren Vater, ohne Söhne zu hinterlassen, gestorben war, wandten sich mit dieser Anfrage an Mose, und auf ihre Frage hin wird entschieden, daß in solchem Falle die Töchter erbberechtigt sind. Für künftige Zeiten war durch die Institution des großen Synhedrion, das im Tempel in Jerusalem seinen Sitz hatte, eine Instanz geschaffen worden, die alle neu auftretenden Streitfragen und Probleme nach den Grundsätzen der Thora zu entscheiden hatte. (S. 5. B. M. 17,8:0V). Damit war für die Zeit, solange der Tempel bestand, ein Mittelpunkt vorhanden, war auf eine Autorität hingewiesen, welche die Überlieferung zu wahren und auf das Leben anzuwenden hatte. Und auch als mit der Zerstörung des Tempels dieser Mittelpunkt aufgehört hatte, galt das von II, Joehanan ben Sakkai in Jabneh errichtete Synhedrion, wo die hervorragendsten Gelehrten vereinigt waren, als Instanz für die Gesetzesentscheidung, und Stellen aus der Mischnah weisen uns darauf hin. daß man in schwierigen Fällen sich dorthin um Bat wandte. Überhaupt blieb noch lange Palästina, wo allein die Autorisierung der Gelehrten durch die Semicha. die symbolisehe Handlung des Handauflegens, stattfand, die Stätte, von der Belehrung ausging für ganz Israel. Nach und nach rückte aber der Schwerpunkt des Thorastudiums nach Babylonien: in mehrhundertjähriger Geistesarbeit entstand dort das Biesenwerk des babylonischen Talmud, die Lehrhäuser in Sura und Pumbeditha waren die Sammelpunkte, wo Scharen von Schülern