Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 11 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der gesetzestreue Jude und der Krieg. 387 Konsulat zogen und nachdem ihnen dort die Unmöglichkeit klar gemacht war, ihrer Pflicht zu genügen, nach Absingung vaterländischer Lieder heimwärts zogen. Er machte seinerseits verzweifelte Anstrengungen, und unter einer Fülle von Fährnissen gelang ihm das schier Unmögliche. Er stellte sich dann in Cöln und wurde abgewiesen, in Wesel und in Berlin, auch dort waren die Formationen abgeschlossen. Und nun wollte er nach Königsberg (wo er dann endlich eintreten konnte). Seine Mutter, die nun einmal keine Heldenmutter, war, als der Krieg ausbrach, in Sorge um die anderen Söhne, die ins Feld mußtenל in Ohnmacht gesunken, und als er nun gefragt wurde, warum er nicht an seine Mutter gedacht und sich mit dem guten Willen begnügt, wie so viele andere, da antwortete er nur das eine: .,Ich habe doch geschworen!“ Er kannte die Stelle Sehebuoth 39 a, nach der die ganze Welt erbebte, da Gott am Sinai das Wort sprach: ..Du sollst nicht aussprechen den Kamen des Ewigen deines Gottes zum Falschen“ und nach der alle Zeitgenossen mit ihrem Schicksal haften für die Ubertretung, er wußte, daß an einem Schwur nach jüdischer Auffassung nicht zu drehen und nicht zu deuteln ist, daß man ihn nicht auslegen kann nach eigenem Ermessen, sondern allein nach dem Sinne, wie der Fahneneid abgenommen worden. Und da war ein andrer. Ich hätte ihm nie eine Heldentat zugetraut. Und doch hat er eine Kühnheit, eine Todes- Verachtung bewiesen, wie sie nur bei Menschen von ausgesprechen kriegerischen Eigenschaften zu linden ist. Sein Mut wurde auch mit dem Eisernen Kreuz belohnt. Und auf die Frage, was ihn so über sich selbst hinausgeliohen und ihn Dinge unternehmen ließ, vor denen seine Gelährten zurückgestanden, da antwortete er: Das Gebot des קרוש השם der Heiligung des göttlichen Namens. Ich fühlte, ich stehe nicht für mich da. Es ist meine Religion, die zu Ehren gebracht werden muß, deren Bekenner geschmäht und erniedrigt werden. Gott will geheiligt werden durch uns in jeder Tat und in jeder Lebenslage. Und kann man eine höhere Stufe erringen, als wenn man sein Leben einsetzt zur Heiligung des göttlichen Namens.