Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1914-11-01 · Heft 11 (November 1914) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 11 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292930-2292940--00434-2293671
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der gesetzestreue Jude und der Krieg. 38s Zuerst: Er ist rein. Interesselos, soweit es die Bedürfnisse unserer engeren Glaubensgenossenschaft betrifft. Wir erhoffen und erwarten keinen Gewinn aus diesem Krieg für unseren kleinen Kreis. Wir geben uns ohne Bedingung hin an das große Ganze. Sodann: Er ist ernst. Dieser Krieg ist uns nicht Sport und nicht Betätigung der kindlichen Lust an Indianerkämpfen. Wir ziehen nicht singend hinaus und sind uns voll bewußt der ungeheuren Werte, die der Krieg zerstört. Und zuletzt: Er ist tief. Dieser Patriotismus ist verankert in den letzten Gründen jahrtausendalter religiöser überlieferung. In der Forderung der Gesetzestreue, die das ganze Denken und das ganze Leben des religiösen Juden beherrscht. Er ist darum ein Gebot der Religion, ein Gebot, das keine Ausnahme, keine Milderung, keine Lösung verträgt und darum mit unwiderstehlicher Kraft den thoratreuen Juden zwingt zu tun, was das Gesetz ihm befiehlt. Diese Gesetzestreue ist gleich weit entfernt von dem erzwungenen Gehorsam, wie von dem Rausche, der den unreifen Menschen dazu treibt, sich unverlangt zum Kriegsdienst zu drängen. Es ist kein besondeses Verdienst, lieber die Flinte selbst in die Hand zu nehmen, als nach dem Kriegsgesetz eine Kugel vor den Kopf zu erhalten. Aber es ist ebensowenig ein Verdienst, unter dem Einfluß einer Massensuggestion ohne Abwägung der Gesamtheit aller Pflichten sein Leben preiszugeben. Wahrhaft groß allein ist, die auferlegte Pflicht freudig zu bejahen, für das, was geboten ist, sich hinzuopfern. Kaiser Wilhelm I. hatte offenbar die gleiche Auffassung von dem Wert einer solchen aus dem reinen Pflichtbewußtsein erwachsenden Hingabe. Er schrieb am 13. Oktober 1870 an die Königin Augusta: ״Ich empfehle dir einen Artikel in der ״Spenerschen Zeitung״ .... der aus einer amerikanischen Zeitung über unsere Militärinstitutionen übernommen ist. Das ist das Richtigste und Wahrste, was je darüber geschrieben ist und was ich so oft dir selbst als das Charakteristischste unserer Institutionen darstellte.“ In diesem Artikel nun heißt es:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.