Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 11 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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3§4 Der gesetzestreue Jude und der Krieg. Stimmungen enthält. Vielleicht vermag das ein Beispiel näher zu erläutern. Es ist verboten, am Sabbath zu arbeiten. Einem Kaufmann ist nun die Möglichkeit genommen, eine Stelle zu erhalten, in der er von der Sabbatharbeit befreit ist. Er hat Frau und Kind, die nun darben müssen. Sie mögen betteln gehen, wenn sie hungrig sind, am Sabbath darf er sich nicht vergreifen. Aber ebenso gilt als unumstößliches Gesetz: Ist einer schwer krank, in irgend weicher Lebensgefahr am Sabbath, da muß jede Arbeit, die der Bettung dient, unverzüglich verrichtet werden, und je schneller sich einer zu dieser Sabbath- Verletzung drangt, desto verdienstlicher ist sein Tun. An dem Beligionsgesetz muß sich, wie jeder Gedanke, jedes Gefühl, jedes Streben und jede Handlung des thoratreuen Juden nun auch seine patriotische Erregung und Betätigung orientieren. Hier findet sie ihre Schranke, hier ihr Ziel und Maß. So ist die patriotische Erhebung frei von jeder Zuchtlosigkeit der Gefühle, sie bewegt sich in den Grenzen, die ihr von der für uns höchsten Instanz gesetzt sind. Es ist hier nicht der Ort, die halachischen Bestimmungen darzulegen. Sie setzen Schranken, sicherlich! Aber ebenso lösen sie jeden Konflikt. Das ganze Leben des gesetzestreuen Juden unter Verhältnissen, die an sich auf den Kreis seiner religiösen Pflichten nicht Rücksicht nehmen, ist ja eine stete Erziehung, das Rechte nach den Normen des göttlichen Gesetzes zu suchen. In der Schule und in dem Beruf bewährt er sich als ein Glied, das dem Staatswesen mehr als das Schuldige leistet. Und das gleiche gilt von ihm im Kriege. Daß der gesetzestreue Jude nicht behindert ist, seine ganze Kraft in den Dienst des Vaterlandes zu stellen, beweist die hingebungsvolle Teilnahme unserer Gesinnungsgenossen an dem Kriege und die Aus- Zeichnungen, die sie sich errungen. Wir haben bisher in den drei Punkten eigentlich nur ausgeführt, wie der Patriotismus des thoratreuen Juden nicht beschaffen ist. Aber aus diesen Negationen ergibt sich uns auch ein positives Bild dieses Patriotismus.