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Jeschurun · 1914-10-01 · Heft 10 (Oktober 1914) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 10 (Oktober 1914)
Date
1914-10-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Zur Deszendenztheorie. 367 Tierreihe diesem oder jenem Faktor anheim gibt, derzufolge die Entwickelung eintreten kann, aber möglicherweise auch unterbleibt, dürfte nicht gut mit dem Inhalte der Thora in Einklang zu bringen sein. Sie würde ein Schöpfungsgebiet der direkten Schöpfermacht entziehen. Andererseits wäre kein Ende der Entwickelung abzusehen. Gerade aber die Determinierung des endgültigen Zustandes glauben wir annehmen zu müssen. Hiernach gäbe es nur eine einzige Mögliekkeit einer Deszendenzlehre, nämlich als Entfaltung der bei der Erschaffung mitgegebenen Anlagen. Diese Annahme ist aber gänzlich hypothetisch und hat auch in der Schrift wohl kaum einen Anhaltspunkt. Wenn überhaupt einmal in der oben eingeschränkten Weise die Entwickelung im Gange war, so muß dieses in der Schöpfungsperiode gewesen sein (s. Wohlgemuth). Denn soweit Berichte und Funde uns Kunde geben, hat sich in historischer Zeit wohl kaum etwas geändert. Jede eventuelle Entwickelung muß daher in die prähistorische Schöpfungsperiode zurückverlegt werden. Ich gestehe, daß mir diese Annahme nicht besonders wahrscheinlich ist. Aber sie schränkt die Deszendenz, falls sie war, erheblich ein und bringt sie auf das gebührende Maß zurück. Interessant ist vielleicht das Ergebnis dieser Betrachtungen auch deshalb, weil eine verschiedene Auffassung der Geschichte resultiert, je nachdem wir dem biblischen Berichte oder der naturwissenschaftlichen Darstellung folgen. Diese erschaut als Inhalt der Geschichte die immer größere und höhere Entfaltung der zu Beginn geringen Formen. Aber da der Zufall in dieser Welt herrscht, ist aller Ausgang zweifelhaft, und so fehlt das Ziel. Der jüdischen Auffassung ist in jedem Falle das nur eine Vorbereitung, ein Geschehen in der Schöpfung, was der dogmatischen Naturwissenschaft des geschichtlichen Werdens Erfüllung ist. Dafür kennt das Judentum ein unverrückbares Ziel, das, von Anbeginn festgelegt, auf jeden Fall erreicht wird. Dieses Ziel, das der Menschheit winkt, ist die ideale gleichmäßige Erfüllung des sittlichen Gedankens, 25

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