Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Zur Deszendenztheorie. Gesetzmäßigkeit erblickt infolge eines neuen Schöpferwortes und keine Synthese aus bereits an der anorganischen Materie wirkenden Gesetzen1). Die Naturgesetze schaffen nach dieser Auffassung nichts Neues, sondern vermögen nur Zustandsänderungen herbeizuführen. So viel zur ,,Urzeugung.“ Wenn wir freilich zu dem eigentlichen engeren Gebiet der Artentstehung kommen, dann türmen sich die Schwierigkeiten. Deshalb muß zunächst das Bestreben sich darauf richten, das Sichere herauszuarbeiten. Mit Wohlgemuth2) bin ich der Meinung, daß wir in dem Bericht, den die Thora gibt, zwar keine detaillierte Schilderung des Schöpfungsaktes haben, aber dennoch eine der Wirklichkeit entsprechende, nicht allegorische. Demnach ergibt sich zweierlei aus dem Berichte der Genesis: wenn wir von der Pflanzenwelt absehen — es wurden in zwei Perioden die tierischen Organismen geschaffen und in beiden gab es eine polyphyletisehe Entstehung. Gesondert von beiden entstand das Menschengeschlecht. Ich glaube, daß sich hiermit der Bericht, soweit er unsere Frage berührt, erschöpft. Es ist aber ersichtlich, daß die eigentliche Frage der Ent- Wickelung dadurch nicht entschieden wird, wenn auch die Setzung einer Polyphylie insofern von Bedeutung ist, als damit doch eine rein genetische Erklärung der heutigen Arten nicht möglich ist, sondern der oben bezeichnete Dualismus Platz greift, wenn man der Deszendenz eine Wirkung einräumt. Wenn nun also auch dem Entwickelungsprinzip in der Thora nicht direkt widersprochen wird, so ist es doch sicher, daß es eingeengt werden muß und kein Eniversalgesetz sein kann. Das geschah schon durch die polyphyletisehe Schöpfung. Wir haben aber noch ein gewichtigeres Argument. Es ist klar, daß der Mensch, selbst wenn man sonst die Entwickelung ein- ף Ich glaube hiermit nicht im Widerspruch, zu ר־^״י zu stehen, der zu Gen. 1 bemerkt: הוא מופירכזתי פוד?בל נברא בליום א׳. Dies bedeutet vielmehr nur, daß mit der Erschaffung der Materie die Vorbedingung iuj alles folgende, also auch das Leben gegeben war, Denn an der Materie sollte ja auch das Leben Platz greifen. 2) Wohlgemuth a. a. 0.