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Jeschurun · 1914-10-01 · Heft 10 (Oktober 1914) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 10 (Oktober 1914)
Date
1914-10-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Zur Deszendenztheorie. 357 Schöpfungsgeschichte nicht haltbar sind, und daß nur eine Berücksichtigung aller vitalen Faktoren eine wissenschaftliche Lösung der Frage gestattet, wobei man allerdings mit der Möglichkeit zu rechnen hat, daß die Deszendenztheorie die man so liebt, auch ein für allemal fällt. In wissenschaftlichen Dingen darf nicht der Wunsch Vater des Gedankens sein, darf ein System nicht deshalb verteidigt werden, weil man Gefallen daran hat. Wir können aber angesichts der Tatsache, daß chemische und morphogenetische Forschung offenbar widerspruchsvoll sind, sagen, daß bereits jetzt die Theorie erschüttert ist. daß jedenfalls heute keine Beweise unter den existenten Formen für ihre Geschichte vorliegen. Weitere Untersuchungen werden vielleicht dazu führen, daß, wie in früherer Zeit, der Vergleich der tierischen Form bei den verschiedenen Arten wieder Selbstzweck wird, ohne daß stets die Anwendung auf genetischen Zusammenhang gemacht wird. Der Grad der Wahrscheinlichkeit der in Frage stehenden Hypothese wird noch gemindert, wenn wir den Neovitalismus berücksichtigen, den mitvgroßer Überzeugungskraft H. Driesch *) neben anderen namhaften Biologen vertritt. Der noch in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unbestritten geltende Vitalismus, der das organische Geschehen als ein prinzipiell vom anorganischen verschiedenes ansprach, wurde bekanntlich vom Mechanismus abgelöst, bis in neuester Zeit der Vitalismus in geläuterter Form wieder erstand. Das Problem des Werdens1), das in verschiedenen Formen auftritt, ist nach dieser Auffassung in seiner eigentümlichsten Gestalt als Ganzheitswerden realisiert im organischen Geschehen, das mit keinem Werdeablauf der physikalischen oder chemischen Prozesse in Parallele gesetzt werden kann. Zunächst verhalten sich Beiz und Effekt durchaus nicht dem anorganischen Geschehen entsprechend in einer Weise, die wir unter wenige Grundprinzipien zusammenfassen können, wie etwa das in der Mechanik geschieht. So determiniert z. B. die Befruchtung die 1j H. Driesch, Der Neovitalismus als Geschichte und Lehre.

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