Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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356 Zur Deszendenztheorie. ihnen kennen: auf die sog. Protamine, die A. Kossel zur bestgekannten Gruppe der Eiweißkörper gemacht hat. Sie bilden nämlich den Hauptbestandteil des Kopfes der Samenzelle, der zum großen Teil aus der Substanz besteht, die als Trägerin der Vererbung angesprochen wird (Hertwig, Boveri). Da die Protamine den größten Teil des Kerns der reifen Spermatozoen ausmachen, können wir behaupten, daß auch sie in ihrer Zusammensetzung die Kotwendigkeit einer Deszendenz an die Hand geben müßten, wenn wir vergleichend biochemisch die Protamine in den Tierklassen untersuchen. Hierzu bietet eine kürzlich erschienene Arbeit Kossels1) wichtige Daten. Er gesteht, daß die ״Vergleichung bisher einen ohne weiteres verständlichen Zusammenhang zwischen der chemischen Konstitution der Spermien und der Stellung des betreffenden Fisches im zoologischen System nicht ergeben hat“. Es gibt Familien unter den Fischen, deren Spezies hinsichtlich der Protamine scharf getrennt sind (was sich durch Anwesenheit oder Fehlen einer bestimmten Aminosäure geltend macht), während andererseits Spezies einer Familie identische Protamine haben. Familien sind häufig hinsichtlich der chemischen Struktur ihrer Protamine scharf getrennt, können aber auch zuweilen einander näher stehen als Unterabteilungen ein und derselben Familie. Eine weitere Ausführung dieses Gegenstandes ist leider nicht möglich, weil sie zu viel Vorkenntnisse voraussetzt. Das eine — und zu diesem Zwecke wählte ich den Exkurs in dieses Gebiet — wird dennoch mit Deutlichkeit aus den knappen Mitteilungen hervorgegangen sein: denErgebnissen der biochemischen Forschung wird das System der Zoologie, das morphologischen Gründen entsprang, nicht gerecht. Das bedeutet aber nichts anderes, als daß die von den Vertretern der Deszendenztheorie ins Feld geführten Motive nicht hinreichen zur Schaffung eines natürlichen Systems, das die Geschichte der tierischen Wesen zugleich angeben soll. Mindestens muß die Konsequenz gezogen werden, daß die bisherigen Ansätze zu einer natürlichen *) Kossel A., Zeitschrift f. phys. Chemie Bd. 88. 1913.