Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1914-10-01 · Heft 10 (Oktober 1914) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 10 (Oktober 1914)
Date
1914-10-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2292929-2292930-2292939--00400-2293636
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

354 Zur Deszendenztheorie. kann, und wie also ein im übertragenen Sinne höherer Status resultiert. Da die Ontogenie die Phylogenie nicht widerspiegelt und dieses nicht kann, ist ein wesentlicher Beweis hinfällig. Hertwigs Ausführungen über eine eventuell stattgehabte Deszendenz entbehren jeden augenfälligen Beweises. Denn weil er das Verhältnis von Onto- und Phylogenie in biologischer "Weise theoretisch gründlich erörtert und diese sich als : eine höchst komplizierte Proportion uns ergibt, ist rückwärts j von den Bildern, die uns die Stadien der Keimesgeschichte j bieten, nichts im Dienste eines Beweises für die Deszendenz-! ן . . theorie zu verwerten, da wir nach Hertwig nur wissen, daß aber nicht wie die Anlagen verändernd auf die Embryonalent- Wickelung einwirken. Immerhin ist nicht von der Hand zu weisen, daß es in der Entwickelung der Arten konstant auftretende Bilder gibt. Hertwig hat diese Erscheinung, die Häckel und nach ihm Friedr. Müller das biogenetische Grundgesetz genannt hat, mit dem weniger präjudizierenden Namen ontogenetisches Kausalgesetz belegt. Hiermit schließt er die Möglichkeit der Deszendenz nicht aus, aber verbindet die vorliegenden Tatsachen durch einen Begriff, welcher Gesetzmäßigkeit und deshalb Bedeutung auch dann in sich trägt, wenn die Deszendenztheorie längst aufgegeben sein sollte. Und diesen Begriff drückt folgendes Gesetz aus: entsprechende Stadien verschiedener Genera kommen morphogenetisch homolog zustande, und Organe, die derselben Funktion dienen, haben histologisch ähnliche Struktur. Allgemein können wir für diese auffällige, Einheitlichkeit zeigende Tatsache den Satz prägen: Tierisches, oder allgemeiner, organisches Sein ist in einer bestimmten, biologisch definierten Weise, die in vollem Umfang nicht erkannt ist, realisiert. Es ist müßig zu fragen, warum in dieser und nur in dieser Wreise; insbesondere ist dies keine Frage der Natur- Wissenschaft. Das ontogenetische Kausalgesetz lehrt, in dieser Weise gedeutet, den einen Bauplan, der der Gesamtheit der Formen zugrunde liegt. Es ist das Naturgesetz, das bedingt, daß jedes Organ, welches von uns als Bildung höheren Grades

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.