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Jeschurun · 1914-10-01 · Heft 10 (Oktober 1914) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 10 (Oktober 1914)
Date
1914-10-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Zur Deszendenztheorie. 353 biologischen 'Wissenschaft hätten nur noch Bedeutung, sofern sie die neue Hypothese aushauen könnten. Doch ist dies, wie Hertwig hervorhebt, ein circulus vitiosus, da durch die Ergebnisse der vergleichenden Forschung überhaupt erst die Berechtigung zur Setzung einer Abstammung gegeben ist. Auch Straßburger betont, daß die Bedeutung der vergleichenden Forschung noch bestehen bliebe, wenn man die Deszendenztheorie aufgeben müßte. Außer diesen Beweisen wird für die Existenzberechtigung der Theorie vornehmlich das biogenetische Grundgesetz ins Feld geführt, des Inhaltes, daß die Ontogenese (Keimesgeschichte) immer die Phylogenese (Stammesgeschichte) mit Abkürzungen rekapituliert. Die von Hackel behauptete Parallellität zwischen den Etappen der Onto- und Phylogenie lassen viele Forscher nicht gelten. Gerade wenn eine Phylogenie den Aufstieg in der Reihe der Organismen bewirkt und diese sich gemäß dem von Hertwig als einzig möglichem Modus erachteten Spiel der Anlagen vollzieht, kann die Ontogenie kein gefreutes Abbild jener Gesamtentwickelung sein. Denn die dem Organismus eigenen Anlagen teilen sich unbedingt den die Art fortsetzenden Keimzellen mit, so daß auch das erste Stadium, z. B. des Eies, einer Spezies sich charakteristisch abhebt von dem jeder anderen. Sodann ist zu erwägen, daß auch alle Stadien der Ontogenie nie rein zum Ausdruck kommen, wenn man eine Phylogenese behauptet, weil die vom Organismus erworbene Anlage, die stammesgeschichtlich zur nächsten Stufe führen würde, bereits latent wirkt und so auch in der Keimesgeschichte seine Schatten vorauswirft. Es würde nach dieser Überlegung ein so kompliziertes Bild herauskommen, daß nun und nimmer hieraus genaue Daten für die Stammesgeschichte zu gewinnen wären. Hieraus ist erwiesen, daß die rohe Darstellung nach Hä ekel zu verwerfen ist, weil er nicht den bestimmenden Faktoren einer möglichen Entwickelung Rechnung trägt und in naiver W'eise alle primitiven Stadien auch auf höherer Stufe bestehen läßt. Es ist also auch nicht .einzusehen, wie die Synthese der Eigenschaften vor sich gehen 24*

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