Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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341 Der Krieg und die Moral. gehauenen Daumen und großen Zehen lasen unter meinem Tische Brocken auf, wie ich getan habe, so vergilt mir Gott!“ (Richter 1,7). Es war demnach ein Akt vergeltender Gerechtigkeit, ein kleiner Versuch, die Frevel dieses Tyrannen zu sühnen. Nirgends sonst vernehmen wir etwas von widerwärtigen Zügen in der Kriegsführung. In dem Vernichtungskriege, welcher der Besetzung Palästinas vorausging, hören wir, daß die getöteten Könige mehrfach offenbar zum abschreckenden Beispiel an den Galgen gehängt wurden (Jos. 8, 29 und 10, 27). Aber nur, um an demselben Tage getreu der biblischen Vorschrift Deut. 21, 23 wieder abgenommen und bestattet zu werden. Doch es ist ja nicht unsere Aufgabe, die Kriegsführung des jüdischen Altertums in ein günstiges Licht zu setzen. Wie immer sie beschaffen gewesen sein mag, die Anschauung der Bibel und ihre Forderung steht durch das eben erwähnte Prophetenwort außer Zweifel. Unsere Zeit glaubt auch auf dem Gebiet der Ethik sich der Vollendung nahe. Wir meinen, die Ereignisse der letzten Zeit haben uns darüber belehrt, daß sie diesen Anspruch verwirkt hat. Wir wollen unserem Leser die Aufzählung dessen ersparen, was sie von Greueltaten unserer Feinde in den Tages- Zeitungen gelesen. Wenn wir von allen Übertreibungen absehen, die in den Berichten unterlaufen mögen, es bleibt noch so viel, was amtlich beglaubigt und über jeden Zweifel erhaben ist, daß uns brennende Scham befällt über den Tiefstand der sogenannten Kuiturmenschheit. Denn es sind ja an diesen Taten nicht nur die entmenschten Horden beteiligt, die sie ausgeübt. Die Anregung ging von den ״höheren^ Instanzen aus, sie wurden gebilligt von den Vorkämpfern der Kultur, verherrlicht von denen, welche die öffentliche Meinung vertreten, deren Beruf es ist. zur Versittlichung der Menschheit beizutragen. Vielleicht sind die Roheitsdelikte, die begangen wurden, nicht die betrilbendsten Erscheinungen. Sie sind schließlich Personen zuzuschreiben, die an sich die Hefe der Bevölkerung ausmachen, wiewohl sich Männer wie Pichon, Clemenceau und