Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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337 Der Krieg und die Moral. Schmerzen, verderben in Not und Elend. Und doch zerreißt uns das alles nicht so sehr das Herz. Wissen wir doch, daß sie alle um einer erhabenen Idee willen dies erdulden, um der Verteidigung des Vaterlandes willen, um den heimischen Herd vor dem Schrecklichsten zu schützen, vor der rohen Gewalt eines unbarmherzigen Feindes. Aber wenn wir sehen, auf wie niedriger Stufe der Mensch noch heute steht, an dessen Versittlichung doch Jahrtausende arbeiten, so Unterläßt das in uns einen brennenden Schmerz, der sich in stiller Wehmut nicht lösen will. Wir sehen hier völlig ab von der Vorgeschichte des Krieges. Es soll unterstellt werden, daß jedes Volk in diesem Kampfe im Rechte ist, zum mindesten ehrlich davon überzeugt ist, daß es eine gerechte Sache verficht. Und wir reden nur von der Moral, wie sie bei der Führung des Krieges befolgt wird. Gibt es eine solche Moral? Bedeutet nicht der Massenmord, wie er im Kriege geübt wird, eine völlige Aufhebung aller Gebote der Sittlichkeit? Wir befragen die Instanz, die für uns maßgebend ist, und welche die Grundlage aller Moral unter den Kulturvölkern geworden ist, die Bibel. Mit keinem Worte ist aus ihr eine Verurteilung des Krieges herauszulesen, nirgends wird er als unsittlich an sich verworfen, irgendwie mit dem Mord auf eine Stufe gestellt. Der ״ewige Friede“ ist keine sittliche Fordern ng. Die Propheten verkünden ihn als einen Lohn in kommender Zeit, als ein Glück, das der Menschheit von Gott bescheert wird am ״Ende der Tage“. Ja, die Bibel fordert in gewissen Fällen die Vernichtung der Feinde und, da sie sich nicht mit sich selbst in Widerspruch bringen kann, sieht sie offenbar in dieser Forderung keine Verletzung der Sittlichkeit. Der Ruhm der Tapferkeit, ergreifende Totenklage über den Helden, der auf dem Felde der Ehre gefallen, klingen in dem Bibelwort wieder. Nein, die Bibel betrachtet den Krieg nicht als ein Verbrechen. Wieviel blutige Kriege hat der Oberbefehlshaber des jüdischen Heeres Joab geführt! Aber nur, ״weil er das Blut des Krieges im Frieden vergossen, deshalb sollte sein graues Haupt nicht in Frieden in die Grube fahren.1;