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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 80)
Language
German
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332 Die große Zeit. auszugestalten wie ein anderes, — wir als Deutsche wollen ein! deutsches Kleid, wollen deutsche Erzeugnisse, deutsche j Geisteswerke als für uns allein gültig und wertvoll ansehen. Wir empfanden es als Schmach, daß wir, ein großes, begabtes Volk, bei anderen betteln gehen und uns mit fremdem Gewände schmücken, im Fremden unser Ergötzen und unsere Daseinsformen finden sollten. Wir sind uns selbst genug und wollen froh und zufrieden mit dem uns vom Schöpfer verliehenen Eigenen sein. Wer dieses elementare Auf flackern des nationalen Selbstbewußtseins mit angesehen und miterlebt, der mag wohl im Herzen denen Abbitte tun, die er früher als Schwärmer belächelt, als Deutschtümler befehdet hatte. Und wenn wir wieder die Nutzanwendung auf unser Judentum ziehen, da mag uns die Schamröte ins Gesicht steigen, wie ehrlos wir unser religiöses Eigengut preisgegeben, um uns fremder Kultur und unjüdischen Formen hinzugegeben. Das Judentum wurde seiner Eigenart entkleidet, um es den fremden Kulten anzugleichen. Und heute wird man über jene Kabbinen, die so leidenschaftlich הקת הגויים, die unjüdischen Glaubensformen bekämpft haben, anders urteilen. Man wird sich fragen, ob in ihnen nicht ein wahreres und reineres Gefühl für die Würde des Judentums gelebt? Weil in der Kirche der Altar vorne im Chorraume steht, darum mußte auch in der Synagoge der Almemor von seiner Stelle weichen; weil der katholische Priester nur einen Schal über den Schultern trägt, darum durfte der Tallis nicht mehr ausgebreitet getragen, sondern mußte zu einem schmalen Tuche zusammengeschlagen werden. Weil der christliche Gottesdienst die Orgelbegleitung hatte, darum mußte auch im jüdischen Gotteshaus diese Musik ihre Stätte finden, obwohl dadurch der ganze Charakter des jüdischen Gebetes mit seiner schlichten ergreifenden Andacht verändert wurde; und das deutsche Gebet mußte die Sprache der Thora, der Propheten und Psalmen verdrängen. Weil im Christentum, wo der Glaube im Zentrum des Ganzen steht, die Konfirmation eine wichtige Stelle hat, so mußten die jüdischen JKnaben und Mädchen eine Lippenzeremonie über sich ergehen

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