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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 81

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 81)
Language
German
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sa Die große Zeit. 333 lassen, die in ihrem religiösen Leben und Glaubens System keinen Sinn und keine Bedeutung hat. Und wundervolle altjüdische Bräuche, in denen die Volksseele feinste Regungen zum Ausdruck gebracht, wie der weißlinnene Sterbekittel an den hohen Festen wurden aus den Synagogen gewiesen, weil sie zu jüdisch waren. Nicht einmal vor der düsteren Majestät des Todes machte die Verletzung jüdischer Sitte Halt. Pomphafte Leichenbegängnisse wurden veranstaltet, das Beth- Olam wurde zu einer Stätte des Luxus und der Großmannssucht, die Chewra Kadischah durch bezahlte Livreediener ersetzt und Jem Toten vom Prediger in der Weise ]fremder Kulte die letzten Worte ins Grab nachgerufen! 0, daß das jüdische Selbstbewußtsein wieder erwachte, daß wir alle in unserer religiösen Betätigung der uralt heiligen, ererbten, mit uns geborenen Sitte wieder Gerechtigkeit zollten; wir hätten uns selbst gewonnen und die Achtung derer errungen, denen ihre Religion andere Formen gebietet. Das Dritte endlich und Größte in unsrer nationalen Erkebung ist: Nur das Bewußtsein, für eine gerechte Sache zu kämpfen, konnte unserem Volke den Willen und die Kraft zum Siege verleihen. Der Materialismus, der Glaube an die plump-sinnlichen Mächte dieser Welt ist erschüttert. Wir erkennen wieder, daß ethische, geistige und sittliche Werte die Welt und ihr Geschehen beherrschen und viel stärker und dauernder sind als alle sonst in Rechnung gestellte Faktoren. Das ist schon an anderer Stelle dieser Zeitschrift ausführlicher beleuchtet worden. Hier handelt es sich wieder darum, für uns Juden die Konsequenz zu ziehen. Auch das Judentum blieb leider nicht von der materialistischen Weltauffassung verschont, von der Ansicht, die wirtschaftlichen Momente seien die entscheidenden. In dem Konflikt zwischen religiösem Gute und materiellem Vorteile müssen diese siegen. Und wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse die Feier des Sabath unmöglich machen, so begnüge man sich ohne ihn. 0, daß die große Stunde der Gegenwart die Gemüter erweckte! Wie es keinen Patriotismus auf Bedingungen gibt,

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