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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 79)
Language
German
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Die große Zeit. 33* Frist Hingabe und Verzicht; er wiederholt seine Forderung an unsere sittliche Tatkraft immer wieder und läßt uns nicht zur Ruhe kommen. Wie schrecklich haben uns diejenigen geschadet, die sich die Kraft zumaßten, zu binden und zu lösen, das Gesetz zu entthronen und Erlaß von allen Pflichten der Religion zu geben! Sie haben uns der Elastizität und Gesundheit unseres religiös-sittlichen Ichs beraubt, das durch die erziehliche "Wirkung des Gesetzes sich allen Versuchungen und Nöten günstiger und widriger Zeitverhältnisse siegreich entgegengestellt hatte, das durch die einzigartige Schulung unseres Geistes und Herzens durch Talmud und Bibel jeder Verflachung und Verrohung Trotz zu bieten imstande war. Von Sieg zu Sieg schritt die Judenheit auf geistigem, ethischem und religiösem Gebiet, solange es den Gehorsam gegen Gottes Gesetz als höchstes und heiligstes Gut anerkannte; Niedergang unseres gesamten religiösen Lebens, Unbildung, mangelnde Opferfähig־ keit, das waren die traurigen Folgen der Bestrebungen, die das Gesetz durch den Individualismus, den Gehorsam durch die freiwillige Leistung ersetzen wollten. Die sogenannte Befreiung des religiösen Individuums bedeutete in "Wahrheit den Tod des religiösen Ich; nirgends und nie war die Judenheit ärmer an großen, reichen und eigenartigen Persönlichkeiten, an Weiterbildnern und Neuschöpfern religiösen Gutes, als da der Gehorsam und die Unterwerfung unter das Gesetz aufgehört hatten, alle Lebensregungen zu weihen und zu vertiefen. Der zweite Grundzug unserer nationalen Erhebung ist das Erwachen der nationalen Selbstachtung. Unser ganzes Volk wird mit einem Schlage sich des W7ertes unserer Kultur bewußt, unserer Muttersprache, der Herrlichkeit unseres Landes, unserer Kunst, unserer Literatur. Jede Sprache mag ihre Schönheit besitzen, jedes Volk ihre eigene Kulturwerte erzeugen, die im Gesamtorganismus der Welt ihre Bedeutung haben. Jetzt aber fühlte jeder, es ist schimpflich und unwürdig, von dem Feind, den man bekämpft, Sprache und Kulturformen zu entlehnen. Und wäre es dem deutschen Volk auch nicht gegeben, Mode und Tracht so voller Abwechselung und Anmut

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