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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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Die große Zeit. 329 geschichtlicher Entwickelung gelernt hat, sich den Gesetzen und seinen Organen unterzuordnen. Wieviel ist nicht gespöttelt und gewitzelt worden über die eiserne Disziplin und Zucht der Deutschen, die um keine Individualität sich kümmert, die die Massen uniformiert und schabionisiert, die der Kultur des Persönlichen den Krieg erklärt. Jetzt hat diese herbe Strenge des Gesetzes Recht behalten. Die Stunde der Not, der Gefahr, der furchtbaren Erregung und Erbitterung hat ihr den Stempel des Wahren, des Echten aufgedrückt. Sie hat ein Volk zu einer moralischen Einheit und Macht geadelt. Sie hat Kräfte erzeugt, um die man uns beneidet. Wer ist,• so fragen wir, mehr wert: ein Soldat oder ein Kriegsfreiwilliger? Der, den des Königs Befehl auf seinen Posten stellt oder wer aus freien Stücken sein Gut und Blut für das Vaterland zu opfern bereit ist? Und wäre des letzteren Begeisterung und Mut, seine Opferwilligkeit und Hingabe zehnmal so groß wie die des ersten, er kann ihn niemals erreichen oder ersetzen. Im anderen Sinne gilt: גדול מצווה ועושה ממי שאינו מצווה ועושה. Die militärische Erziehung hat jenen über sich selbst hinauswachsen lassen, hat sein Auge und sein Ohr, seine Hand und seinen Fuß, seine Muskeln und seine Tatkraft geschult, daß er sie erst richtig auszunutzen, fruchtbar zu machen weiß, hat ihm Fähigkeiten verliehen, die er sich selbst nicht zugetraut hätte, die man mit allem guten Willen und mit noch so großer Anstrengung sich nicht im Nu erwerben kann. Das Individuum hat durch die Unterwerfung, den willenlosen Gehorsam gegen noch so klein erscheinende Befehle nicht sich selbst verloren, sondern sich erst entdeckt, hat erst das große Ausmaß seines eigenen Können und Wollens erfassen gelernt. Dieselben Strapazen und Anforderungen, die den Freiwilligen zusammenbrechen lassen, überwindet jener mit spielender Leichtigkeit. All dies gilt aber wortwörtlich auch für die Religion, für unsere Religion. Das Judentum ist Gesetzesreligion, das erste, was es von seinen Bekennern fordert, ist unbedingter Gehorsam gegen das Gebot. Willenlos hat das Individuum der

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