Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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326 Das Buch Koheleth. Verstand und Gemüt. Gott hat den Menschen in die Mitte der Schöpfung hineingestellt, damit er, der Mensch, den Mittelpunkt bilde in einer aus Gegensätzen sich aufbauenden Natur- und Geschichtswelt. Es ist von Wichtigkeit, in unserem kalt berechnenden Zeitalter von doppelter Bedeutung, daß uns auch der Verstand des Weisen zur warmen Menschlichkeit ermahne. Koheleth stellt im dritten Kapitel des Buches die folgenden Betrachtungen an: ״Alles hat seine bestimmte Zeit, und ihre Zeit hat jede Angelegenheit unter dem Himmel. Geboren werden hat seine Zeit, sterben seine Zeit; pflanzen seine Zeit, ausreißen seine Zeit; Wonne ihre Zeit, Trauer ihre Zeit.was ist nun der Vorzug des Strebenden durch seine Mühe? Die Sache sieht sich an, als ob Gott dies alles so gegeben hätte, den Menschen zu ihrer Demütigung! Ja, alles machte Er gehörig zur Zeit; aber dem Menschen gab Er die Welt — die Ewigkeit ins Herz. Ohne dieses würde der Mensch nicht Anden können das durch Gott geschaffene Werk vom Anfang bis zum Ende!״ Koheleth fragt: Wenn Krieg und Frieden, Wunde und Heilung, Jubel und unsäglich Elend.wenn all dies unverrückbar in der Sphäre seiner Bestimmung steht, alles und jedes in der Zeit liegt, was liegt dann im Menschen? was tut er und was soll er? Darauf die Antwort: Hat auch Gott allen Dingen und Erscheinungen ihre Zeit bestimmt, so sind dies doch auseinanderfallende Welten und Reiche von Freud und Leid, dem Menschen aber gab Gott ein Herz, und in dies Herz legte er die Welt und die Einigkeit. Welten mögen in der Zeit entstehen und vergehen; die Welt trägt der Mensch allein in seinem Herzen, und so wird er zum Mittelpunkte der Weltgeschichte. Diese Frage und diese Antwort des königlichen Philosophen ist ganz besonders bedeutsam. Die Frage: Wenn alles seine Zeit und eine Grenze hat, Krieg und Frieden, Tod und Elend, alles seine Bestimmung, wo es anfängt und wo es endet, wo