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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
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Das Buch Koheleth. 325 Koheleth will also durch die Vereinigung Zweier nicht nur den angreifenden Dritten durch Macht besiegen. Er will ihn durch Gründe überzeugen, damit er der Dritte im Bunde werde und der Bund dadurch als unzerreißbar sich bewähre. Das Geselligkeitsleben soll den Wert der Arbeit erhöhen, es soll gegenseitige Teilnahme wecken und eine friedlich einigende Werbekraft entfalten. 2. Koheleth redet einem wohlgeordneten Staatsleben das Wort. Er will es nicht, daß der König der Despot und das Volk der Sklave sei. Der Weg vom Feldarbeiter zum Königsthrone hinauf soll offen und für jeden gangbar bleiben. Auf den Zwischenstufen sollen die einander übergeordneten Kasten, Stände und Beamten sich nicht überheben. Eine starre Bureaukratie von Hohen, Höheren und Höchsten stört das Gemeinwohl des Staates, weil in demselben eine wahre Gemeinschaft nicht lebendig werden kann. Der König soll aber der erste Diener dieses Gemeinwohls im Staate sein. Diese im Munde des König Salomo überraschende Lehre lautet (V, 7—8): ״Wenn du im Staate Unterdrückung der Armen und Verfolgung des Hechtes und der Gerechtigkeit bemerkst, so wundere dich nicht über diese Erscheinung. Denn über jedem Hohen ist ein höherer Wächter, und über diesem sind wieder Höhere gesetzt. ״Der Vorzug eines Landes liegt aber im gemeinsamen Ganzen. Der König soll dem Ackerfelde dienstbar sein.“ Ein Ausspruch wie dieser würde jedem Helden der konstitutionellen Idee Ehre machen. Der König, der einen solchen Ausspruch tat und es wußte, daß nicht nur sein eigenes Volk, sondern daß Völker und Fürsten seinen Sprüchen lauschten, dieser König ist mit seinem Spruche über Volksrecht und Königspflicht, er ist mit seinem großen Verfassungsgedanken seiner Zeit weit vorausgeeilt. 3. Koheleth sucht und findet im Menschen, im wahrhaft edlen Menschen selbst die Ausgeglichenheit von Geist und Herz.

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