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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
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Das Buch Koheleth. 321 sie ist nicht wert, daß man sie lebt oder gar erforscht״ — dies Thema wird behandelt im Palast des Königs und in der Hütte des Bettlers, an der Wiege des Kindes und an der Bahre des Greises; חבל הבל! ,.Koheleth“ ruft dem aus der Welt scheidenden Menschen nach: gut, daß du gehst! und dem kommenden Neugeborenen entgegen: schade, daß du kommst! So wird in Koheleth die Welt an die eiserne Wand der Naturnot- Wendigkeit gepreßt, bis ihr jeder Odem der Lust und der Freude ausgeht. In ״Koheleth^ steht der prüfende Verstand im Vordergrund. Das Herz mit seinen Neigungen und Wünschen drängt sich heran an das Verstandestribunal und will in den Lösungen der Lebensrätsel seine eigene Erlösungen von Eurcht und Bangen finden. Doch dieses Tribunal häuft nur die Fragen und Probleme, es türmt ganze Berge von Lebensrätseln auf; doch die Antwort fehlt, die Lösung bleibt aus, und wenn sie kommt, so bringt sie dem armen, sehnsüchtig hoffenden Herzen, sie bringt dem sterblichen Menschen, der doch nebst dem Verstände im Gehirn auch ein Wünschen und tiefes Fühlen im Herzen trägt, sie bringt ihm nicht Erlösung, sondern Auflösung. Das Buch Koheleth stellt gleich im ersten Kapitel den Wechsel und die Vergänglichkeit als die einzig bleibenden Paragraphen im Gesetzbuche der Natur- und Menschenwelt auf. Alles kommt und geht, die Himmelssonne und das Erdengeschlecht. Es ist ein Fließen und Wogen der Naturkräfte. Die Bäche und der Ozean saugen einander auf, um wieder aufgesogen zu werden. Welten sind gegen Welten im Kampfe, und sie kreisen, als wollten sie neue Welten gebären, und der Mensch ist da, um die Geburtsschmerzen mit zu empfinden und mit dem Neugeborenen begraben zu werden. Im Laufe der weiteren Kapitel nimmt dieses Wogen und Fluten von Kräften und Ideen in und gegeneinander immer mehr zu. Hier ein schwelgerisches Genießen und bachantische 22*

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