Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Halacha und die Herzenspflichten. 315 Sprüchen im Talmud und Midrasch, und den zahlreichen halachischen Bestimmungen den Nachweis zu erbringen, daß auf die seelische und gefühlsmäßige Durchdringung des Gebets der größte Nachdruck gelegt wird. Dem beigebrachten Beweismaterial kann entgegengehalten werden und ist entgegengehalten worden, daß das leere Theorie geblieben, die gegenüber der verknöchernden "Wirkung durch die Fülle der starren Einzelbestimmungen machtlos war. Da soll nun an unscheinbaren Bemerkungen, die mitten in der halachischen Diskussion gelegentlich fallen, gezeigt werden, wie sehr das Gebet als Kerzenspflicht empfunden und geübt wurde. Das Beten vor breiter Öffentlichkeit birgt die Gefahr in sich, daß es leicht zu einem Schaustück aus arten kann. Bekannt ist die Polemik des Neuen Testaments gegen das Beten auf der Straße (Matth. 6,5). Das gleiche gilt von dem offenen Tragen der Tefillin. Diese Gefahr wird auch im Talmud selbst gewürdigt. Im Jeruschalmi Berachoth II 3 heißt es: מפני מה לא החזיקו בהן (ר״ל בתפילין) מפני הרמאית עוביא דוה בהד בי־ נ־ג• דאפקיד גבי הבי־יה ובפר ביה א״ל לא לך הימנית אלא לאילן דברי־בך ״ •הימניתWeshalb hat man die Sitte, die Tefillin ständig zu tragen, nicht beibehalten? Wegen der Betrüger! Einer hatte mal jemandem etwas in Verwahrung gegeben, und dieser hatte es abgeleugnet. Da sagte er: ,,Nicht dir habe ich getraut, sondern dem, was du am Kopfe trügest!“1) *) Die Erklärung dieser Stelle in Tossaphoth Sabbat 49 a s. v. כאלישע בעל ככפים welcher auch alle Kommentatoren des Jeruschalmi folgen nnd nach der es bedeutet: ״Weshalb hat man diejenigen, die תפילין tragen, nicht als glaubwürdig anerkannt,“ erscheint aus mehreren Gründen nicht befriedigend. Erstens bietet sie sprachliche Schwierigkeiten. rTach Tossaphoths Erklärung fehlt das Objekt באכלכרת oder dergl., während die oben gegebene von der bekannten Stelle unterstützt wird. כל ׳:יצוד טהדזזיק־ו בה כרתים כד׳. Sodann ist der Zusammenhang im Jeruschalmi nach Tossaphoth nicht zu verstehen. Dort heißt es: אנלר רבי יכאי תפילין צריכין גדףן כקי כלפני נלה לא ההזיקר בהן כר׳. Das kann doch nur heißen: ״Tefillin bedürfen eines reinen Körpers.“ Dann erhebt sich die Frage: Wieso tragen wir nun heutzutage die Tefillin nicht mehr ständig, da wir doch in dieser Beziehung uns in acht nehmen könnten 1 Wegen der Betrüger! usw. (vgl. Tossaphoth a. a. O.. der ebenfalls die Bemerkung dazu