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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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306 Die Beurteilung des Judentums usw. das Judentum der Religion einen sittlichen Gehalt gibt und das Verhältnis des Menschen zu ihr ans der passiven Rezeptivität verständnislosen Gehorchens in die Aktivität des Heiligkeitsstrebens verwandelt, vollzieht es eine ähnliche Veränderung, wie sie Lessing an dem Ring des Boccaccio vornahm: indem er den Stein nicht nur Macht im Hause verleihen läßt, sondern ihm die Gabe leiht, ״vor Gott und Menschen angenehm zu machen, wer in dieser Zuversicht ihn trägt“, stellt er an die Religion die Forderung, ihre Bekenner zu veredeln, und verlangt von den Gläubigen, daß sie dieser veredelnden Kraft ihrer Bekenntnisse durch Sanftmut und Verträglichkeit entgegenkommen. Damit sind aber auch die Punkte bezeichnet, in denen wir als Juden Lessing aufs freudigste zustimmen können. Er hat den universalistischen und ethischen Tendenzen, durch die sich das Judentum aus dem Heidentum emporhob, einen tiefer־ greifenden Ausdruck gegeben. So erklärt sich auch der uneingeschränkte Beifall, den Mendelssohn und viele andere gläubige Juden nach ihm dem Stücke gespendet haben. Von der Polemik des Templers gegen das Judentum fühlten sie sich nicht getroffen. Ein Judentum, dessen Stein nur zurück־ wirkt, das nur Liebe nach innen, Haß nach außen predigt und sich mit äußerlicher Hinnahme ohne innerliche Aneignung be־ gnügt, würde ein Mendelssohn kaum minder verworfen haben als Lessing. Aus dieser besseren Kenntnis des Judentums aber ergibt sich für uns ein ganz anderes inneres Verhältnis zum Glauben unserer Väter, als dasjenige Nathans. Wir sind unser Volk. Wohl ist nichts Menschliches uns fremd; aber wir sind uns bewußt, daß aus dem Judentum das beste unseres Innenlebens, unser religiöser Idealismus, quillt und das beste unserer Arbeit in es einmündet, daß der Rhythmus seines Gesetzes unser Leben weiht und der Aufblick zu seinen Märtyrern, Denkern und Dichtern uns mit Kraft und Freude erfüllt. So halten wir ״unsern Stein den echten“ — in tieferem Sinne als Lessing es meint. Aber der Glaube an den eigenen Ring macht uns nicht unsre-

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