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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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Die Beurteilung des Judentums usw. 297 entnahm, j üdisehen Ursprungs ist. .,Sie ist, wenn nicht alles trügt, ums Jahr 1100 von einem spanischen Juden recht im Geiste seines Volks erfunden*‘ (E. Schmidt, Lessing, II3 327); ihre Nacherzählung im ״Schebet Jehuda“ (in etwas verkürzter Übersetzung abgedruckt bei Sulzbach, Bilder aus der jüdischen Vergangenheit, S. 111) gibt uns eine Vorstellung der ältesten Form. Diese unterscheidet sich nicht unwesentlich von der Auffassung des Boccaccio. Bei letzterem stellt Sultan Saladin dem schlauen jüdischen Wucherer eine Falle durch die Frage nach dem Wert der drei Religionen; der Jude, der ihn durchschaut, zieht sich durch ein geschickt eingekleidetes Non liquet aus der Klemme. So ist die Erzählung ein Bravourstück der Schlauheit, nichts weniger als einDokument edler, weitherziger Gesinnung. Im Schebet Jehuda dagegen werden die Juden bei König Pedro verleumdet, sie seien von Religions wegen zum Haß und zur Verachtung der christlichen Religion verpflichtet. Zur Prüfung dieser gewiß nicht seltenen Beschuldigung fragt der König einen Juden nach dem Werte der jüdischen und der christlichen Religion. Der Jude antwortet, für den im Judentum Geborenen sei seine Religion die bessere, da er dem Gott danken müsse, der ihn aus Ägypten wunderbar erlöst; für den Christen aber die seinige, da sie die größere Macht besitze. Erst auf die weitere Frage des Königs nach dem absoluten Wert der Bekenntnisse antwortet er durch die Erzählung von zwei einander sehr ähnlichen Edelsteinen, die ein Juwelenhändler seinen Söhnen geschenkt, und über deren Wert diese sich nicht einigen können; der König weist die Streitenden an den Vater, der allein den Wert der Steine beurteilen könne. — Man sieht, der Jude beabsichtigt nicht in erster Reihe, einer Falle zu entgehen; er antwortet vielmehr im Sinn des Judentums, dem ja tatsächlich die Herabsetzung fremder Religionen fernliegt, und entkräftet so die Verleumdung. Lessing hat den Bericht des Schebet Jehuda nicht gekannt. Um so interessanter ist seine Berührung mit dessen Tendenz. Ganz abgesehen davon, daß auch er den Söhnen rät. ״den Vater bald zur Steile zu schaffen“ — in der Umbildung des

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