Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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- Rashi 1× ep/1002670
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285 Volkskundliches zur Exegese. abschneiden soll und was das ועשתה את״׳צגןלניה bedeute, war schon in alter Zeit strittig und ist es bis heute geblieben. Im Sifre zur Stelle erklärt R. Eliezer diese Worte ״sie soll ihre Nägel schneiden44 (תקוץ): R. Akiba dagegen ״sie soll sie lang wachsen lassen (תגדל). R. Eliezer weist zum Beleg für seine Deutung auf die Stelle 2. Sam. 19,25 hin, wo לא עשה רגליו) ולא עץזה שפמיו) sicher bedeutet ״er hatte seinen Bart (ausTrauer) nicht geschnitten44. DasTargum Onkelos, Raschi und Ibn Ezra zu unser Stelle folgen R. Akiba. Dagegen Ramban erklärt den Belegvers R. Eliezers für ״einen großen Beweis44 und erklärt daher mit diesem ״sie soll ihr Haar ab־ schneiden44. Die Vorschrift soll nach Raschi, Ibn Ezra dazu dienen, die Frau durch die langwachsenden Nägel und das ge־ schorene Haar in den Augen des Siegers häßlich erscheinen zu lassen; nach Ramban soll das geschorene Haar ein Zeichen ihrer Trauer um ihre Eltern sein (wie גזי נזרך Jer. 7,29, 1ניגז את ראש Hiob 1.20 und anderer Stellen); ebenso müsse das Schneiden der Nägel als Akt der Trauer angesehen werden, weil die heidnischen Frauen sonst immer ihre Nägel wachsen ließen und mit Farbe bemalten1). Dieser letzteren Deutung folgen auch neuere christliche Erklärer, z. B. Bertholet, aber unter ausdrück־ lichem Zugeständnis, daß das Ab schneiden der Nägel als Trauer־ ritus sonst nicht nachweisbar sei. Zum Verständnis der voliegenden Vorschrift führt meines Erachtens eine uralte semitische Sitte, die bei den alten Arabern vielfach geübt wurde. Wenn man im Kampfe einen Feind in seine Gewalt bekommen hatte und wieder frei gab, so schnitt man ihm eine Stirnlocke ab. Dadurch kam zum Ausdruck, daß er Sklave des Siegers geworden. So nahm z. B. in der Schlacht von Buäth der Jude al־Zubeir b. Ijäs einen arabischen Gegner ge־ fangen, schnitt ihm die Stirnlocke ab, ließ ihn aber dann aus Großmut frei laufen2). Eine ganze Reihe solcher Fälle vom Abschneiden der Stirnlocke bei Kriegsgefangenen ließe sich 1j Noch heute bemalen die Araberinnen ihre Nägel mit Henna. 2) Ibno'i Athiri chronicon I 511 unten.