Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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271 Der 'Weltkrieg. eignen wird, über sie, das wissen wir wohl, wird das Verhängnis zunächst doppelt und dreifach hereinbrechen. Denn der ״Freund״ im Lande wird bei ihnen schlimmer hausen als der Feind. Und es sind doch loyale Untertanen, die, wenn man von den revolutionär gesinnten Ausnahmen absieht, in der weit überwiegenden, dem Glauben der Väter anhängenden Masse nie an eine Erhebung denken würden. Nicht, weil sie so stumpf und feige sind, sondern weil in ihnen der Glaube so felsenfest lebt, daß alles, was sie an Gutem und Bösem trifft, eine von Gott auferlegte Schickung und Prüfung ist. Vor dem, dessen Siegel die Wahrheit ist, schreiben wir es nieder: Bei den furchtbaren Pogroms des Jahres 1905, denen Tausende zum Opfer fielen, lernten wir Flüchtlinge kennen, die an den eigenen Verwandten das Schrecklichste erlebt, sie waren nicht von blutgierigem Haß gegen die Verfolger erfüllt. Sie sagten: das sind doch auch Menschen, Gott hat es ihnen eingegeben, wir haben es verdient. Und als ich ein andermal Einem gegenüber Verwünsehungen gegen den Zaren ausstieß, da fiel er mir ins Wort: Man darf dem Herrscher nicht fluchen, das Herz der Könige ist in Gottes Hand, er lenkt es, wie es sein Wille ist. Von dieser Gesinnung ist kein einziger Volksstamm erfüllt, dem die Menschenrechte in Rußland versagt sind. Die jüdischen Soldaten werden im russischen Heere ihre Pflicht wie nur einer erfüllen. Aber was ihnen ihr Gewissen auch zu denken verbietet, wir dürfen es aussprechen: Gesegnet die Stunde, da mit dem Zusammenbruch des Moskowitertums für alle Geknechteten in diesem an sich so reichen Lande, so gutmütigen Volke die Befreiungsstunde schlägt und unter ihnen auch unsere Glaubensbrüder von unerträglichem Drucke aufatmen können. Wir glauben an das Kommen dieser Stunde, und unter all dem Schmerzlichen, das wir erleben, sehen wir freudig die Erfüllung nahen. Wahrlich, nicht nur um unserer Glaubensbrüder willen, sondern weil die Menschheit einem glücklicheren Lose entgegengeht, da die Macht zu Boden 19