Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Weltkrieg. 265 Beweis, daß die Religion ihm nicht ein Äußerliches ist, sondern seiu ganzes Wesen bestimmt und erfüllt. Noch einmal! es ist die Gerechtigkeit der Sache, die sowohl in Österreich wie in Deutschland eine Volkserhebung von so elementarer Gewalt gezeitigt hat. Das soll deshalb wiederholt unterstrichen werden, weil schon jetzt Kräfte an der Arbeit sind, welche dies ethische und letzten Endes religiöse Moment im Völkerringen hinwegdeuten wollen. Wir reden nicht von den vorerwähnten Schriftstellern. Harden leitet das Recht zu diesem Kampfe allein aus dem Recht des Stärkeren ab, wie der kräftigste Baum über die kleineren hinauswächst, unbekümmert darum, ob er den anderen Luft und Licht und Lebensmöglichkeit nimmt. Aber was soll man dazu sagen, daß ein Mann von der Autorität, von der Sachkenntnis. von der Fähigkeit, das gesamte Völkerleben in Vergangenheit und Gegenwart zu überschauen, wie Karl Lamprcclit, einer der ersten Sterne der Wissenschaft keinen Sinn für die ethische Seite in diesem Weltkriege hat. Er hat einen Aufsatz veröffentlicht: ״Zur ne’aen Lageb Der Inhalt sei in aller Kürze wiedergegeben: Neben der weltbürgerlichen Art. die durch die ungeheure Zunahme des Verkehrs und der gegenseitigen Beziehungen der einzelnen Völker untereinander sich allgemein verbreitet, habe das Nationalbewußtsein eine ungeheure Stärkung erfahren, und eben die Greuel, die in den letzten Jahren seine Bewegung geschändet haben, sei es in den Balkankriegen, sei es in den jüngsten so schmählichen und verabscheuenswürdigen Wehrverbrechen der französischen und belgischen Bevölkerung, zeigen, bis zu welchem fast wahnwitzigen Grade die nationalistische Bewegung die Völker Europas und der Erde erhitzt hat. Zu dieser starken Überreizung der Menschheit ist es durch eine merkwürdige Verquickung des nationalen und des kosmopolitischen Gedankens von Volk und Menschheit gekommen. Die Propheten der Friedens schauen wohl sehnsuchtsvoll nach einer Zeit aus, in das die einzelnen großen Völker des Erdballs nebeneinanderstehen, um im friedlichen Wettbewerb das Gesamtideal menschlicher Entwickelung zu fördern. Aber was wir vor uns sehen ist eine ganz andere Erscheinung; aus dem Durcheinander der einzelnen nationalen Bestrebungen tritt nicht so sehr das Bild friedlichen Austausches als gegnerischen Herrscheranspruchs entgegen. Dabei können die heute lebenden Völker an