Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292930-2292938--00304-2293539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Weltkrieg. 261 Qualen der Unterdrückung erlitten, für den russischen Tyrannen ins Feld rücken, daß unsere Glaubensgenossen, denen ihr Heimatland eine Hölle, für welche die eigene Regierung die Mörder gedungen, nun für das Oberhaupt, an dessen Händen das Blut tausender Erschlagener und Gemarterter klebt, ihr Leben hingeben, so faßt der ganzen Menschheit Jammer uns, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß hunderttausende unserer Gegner um einer ungerechten Sache willen, die sie nie gewollt und nie gefördert, schmählich hingeopfert werden. Es ist ein großes Glück denen zuteil geworden, die unter der Fahne Österreichs fechten, denn sie sind die Voll- Strecker der Sühne einer unerhörten Freveltat, sie kämpfen für die Erhaltung ihres Reiches gegen den kleinen Zerstörer und den großen ruchlosen Anstifter. Eine größere, fast möchte man sagen unverdiente Gnade ist den Deutschen geworden, die nicht einmal die Schuld zu tragen haben, daß sie die erste Feindseligkeit begonnen. Immer und immer wieder legt der gewissenhafte Beurteiler unter uns. der sich von der Kriegsjournalistik nicht betäuben läßt, der weiß, daß überall im Leben der Völker miteinander der nackte Egoismus herrscht, den die Geschichte lehrt, daß der in England geprägte Satz: ״Recht oder Unrecht, es ist mein Vaterland“, im Augenblick der auflodernden Begeisterung des Kriegsrausches in jedem Lande sich durchsetzt, immer und immer wieder legt er sich die Frage vor: ,.Sind wir auch wirklich im Recht"Wir können nur urteilen nach dem, was wir selbst im letzten Jahrzehnt erlebt, was wir auch ohne Kenntnis des Aktenmaterials, das in den Kabinetten ruht, aus den Tatsachen, aus den Begebenheiten erschließen können. Darum wollen wir auch von dem offiziellen Berichte absehen, der den Depeschenwechsel zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Zaren zum Inhalt hatte, ebenso von den später veröffentlichten Verhandlungen zwischen Deutschland und England vor Ausbruch des Krieges. LTnd wir wollen noch ein letztes zugeben, es mag sein, daß auch für Frankreich in der letzten Zeit nicht der Gedanke an die Ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.