Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2292929-2292930-2292938--00303-2293538
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

260 Der Weltkrieg. fast über Nacht zu loyalen Untertanen umzuwandeln. Und was hat ihre Verwaltung aus dem verrotteten, verarmten, in Aufständen sich verzehrenden Ägypten geschaffen. Nein. England ist nicht mit dem Maßstab Rußlands zu messen. Es hat die unterworfenen Völker nicht mißhandelt, nicht ausgesogen, es hat ihre Eigenheiten geschont, ihren Glauben nicht angetastet. Es ist verfehlt, sich von dem Rausch des Hasses gegenüber dem Eeind so hinreißen zu lassen, daß man jetzt alles verbrennt, was man vorher angebetet hat. Was England der Menschheit war, bleibt unberührt von den Ereignissen des Tages. Und wenn Englands Herrschaft in Wahrheit bedroht wäre, wenn sein Handel gelitten, Deutschland ihm den Vorrang abgelaufen, so könnte man nach den Gepflogenheiten, welche jetzt noch das Leben der Völker regeln, seinen Kampf um die Vorherrschaft, um die Erhaltung seines Welthandels verstehen. Aber Englands Seemacht war unumstritten und konnte nicht von ■Deutschland ernstlich gefährdet werden, sein Handel übertrifft noch immer den Deutschlands um ein Beträchtliches. Es berührt vielleicht seltsam, wenn man Laster, die den Einzelnen entstellen, einem Volke zuweist. LL1d doch, es läßt sich nicht anders bezeichnen: der blasse Neid, das quälende Bewußtsein, daß auch das andere Volk sich zu unerwarteter Größe erhob, er allein hatte das letzte Jahrzehnt durch Verhetzung und Fälschung die Stimmung in England vorbereitet, die allein den führenden Männern es ermöglichte, ihr Volk in diesen Krieg zu reißen. Was wir hier geschildert, das gilt von denen, die zum Kriege getrieben, nicht von der großen Masse derer, die in allen Ländern vielleicht, ja sicher die Mehrheit sind, die den Frieden mit aller Inbrunst erfleht und ihn so gern gewahrt hätten. Daß sie, nachdem einmal die Entscheidung gefallen, nun um jeden Preis für ihr Vaterland einstehen, daß sie jetzt Gut und Blut dahingeben, um die Niederlage abzuwehren, wer will es ihnen verargen. Aber wie es uns das Herz zerreißt, wenn wir daran denken, daß dieselben Volksstämme, die alle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.