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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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256 Der Weltkrieg. Krieg mit dem Spender alles Guten in Verbindung zu bringen, mit dem. der Frieden schafft in seinen Höhen. Aber unsere Propheten haben Gottes Stimme nicht nur vernommen קול דממה רקה im leisen Geflüster. Im Schlachtengetümmel, beim Schall der Kriegsdrommeten, wenn Weltreiche zusammenstürzten und das Gericht Gottes über die Völker erging und Haufen der Erschlagenen sich türmten im Tale der Zermalmung, da feierten sie ihn als den Helden des Krieges. Der ewige Friede ist für sie ein Ideal, dessen Erfüllung sie schauen am ״Ende der Tage״. Aber so lange die Menschen diesem Ideale noch nicht herangereift, ist der Krieg für sie eines der großen Zuchtmittel in Gottes Hand, über die Menschheit verhängt, wenn wiederum das Maß übervoll. ,.Lasset los die Sense, denn reif ist die Ernte, kommet und tretet, denn voll ist die Kelter!“ Wer dürfte sich vermessen, die Gedanken Gottes nachzudenken?! ״Wer kann den Geist Gottes ermessen, unterwiese ihn als sein!Ratgeber?! Sind ja die Völker wie ein Tropfen am Eimer, gelten ihm wie ein Stäubchen an der Wagschale!“ Und doch müssen wir diesen Versuch wagen. Wir könnten nicht Kühe finden und müßten in innerer Zerrissenheit zusammenbrechen, wenn wir uns nicht über die Ursachen des Krieges und die Frage des Rechts vor uns selbst Klarheit verschaffen. Rachsucht, Verachtung der Menschenrechte und Neid haben diesen Weltbrand entzündet. Unseren Lesern gegenüber bedarf es sicherlich nicht des Hinweises darauf, daß zwischen Anlaß und Ursache zu unterscheiden ist. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Gattin war nur der Anlaß für den Krieg, der nach den gegebenen Ursachen kommen mußte. Ein Anlaß freilich, der den Ursachen in seinem Wesen so entspricht, wie es die Phantasie des Dichters kaum zu ersinnen vermöchte. Von niedrigen Instinkten beseelte Menschen haben das Pulver gehäuft und die Lunte gelegt, und eine Mörderbande hat sie angezündet.

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