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Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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257 Der Weltkrieg. ..Revanche“ zu deutsch .,Vergeltung“', ..Rache“, das war das .Losungswort Frankreichs seit dem Deutsch-Französischen Kriege. Ihm war eine Provinz genommen worden, die es seihst in reinen Eroberungskriegen dem Deutschen Reiche stückweise entrissen hatte. Fs konnte nicht vergehen und vergessen, trotzdem es sich ein mächtiges Kolonialreich seitdem errungen, das vielfältigen Ersatz bot für das kleine Land. Was hat Österreich in den letzten Menschenaltern tragen müssen, wieviel Provinzen verloren, wieviel von seiner früher überragenden Großmaehtstollung eingebüßt und wie hat es sich doch in das Unabänderliche zu finden gewußt. Die Erhebung Preußens in den Freiheitskriegen wandte sich gegen den unerträglichen Druck einer Fremdherrschaft, ein Volk rang um sein Dasein. Eicht einmal der Siebenjährige Krieg, der Versuch Maria Theresias, Schlesien wiederzuerlangen, kann hier herangezogen werden. Er folgte unmittelbar auf den Verlust Schlesiens, war ein berechtigter Versuch, die Scharte auszumerzen und das zu Unrecht entrissene Land wiederzuerlangen. Man wird in der Geschichte kultivierter Volker wohl kaum ein Beispiel dafür finden, daß der Rachegedanke für ein verdientes Los mit solcher Beharrlichkeit festgehaiten wurde. Es läßt sich das wohl erklären aus dem Schicksale Frankreichs, das. nachdem es Europa durch die Revolution und den Siegeszug Kapoleons kulturell und politisch umgewandelt, aus seiner Stellung als Vormacht sich gedrängt sah. Und der Franzosen Nationalcharakter, der zu einem Pathos neigt, dem der Schein über das Sein geht, ist nicht minder dafür verantwortlich zu machen, daß ,,es seinen Grimm alle Zeiten bewahrte'1. So wurzelte der Vergeltungsgedanke, dem noch eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen ist, tatsächlich in verletzter Eitelkeit, in maßloser Ehrsucht. Und dann kam Rußland. Ein Land, das in seiner Ausdehnung größer als das nichtrussische Europa und Asien zusammen, das überreich an Naturschätzen eine dreimal so große Bevölkerung ernähren konnte, als es besitzt. Ein 18*

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