Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Einig© Erklärungen zu den Pirke Aboth. 253 IV. Perek, Mischnah 22. . . . Wertvoller ist eine Stunde in Buße und guten Werken in dieser Welt als das ganze Leben der künftigen Welt. Doch besser ist eine Stunde der Seligkeit in der zukünftigen Welt als alles Leben in dieser Welt. Hier werden zwei ganz verschiedene Dinge mit einander verglichen, so daß durchaus kein Widerspruch zwischen der Behauptung des ersten Satzes und der des zweiten Satzes, wie es oberflächlich betrachtet der Pall zu sein scheint, vorliegt. Das größte Glück für den edlen Menschen ist das aktive Üben von Tugend, das aktive Sichverhalten im Sinne der Beglückung anderer, im Sinne der Arbeit an der eigenen Vervollkommnung. Es übertrifft bei weitem das blos passive Genießen in der zukünftigen Welt, wo es keine Arbeit, sondern nur Genuß gibt, Freilich ein Vergleich zwischen dem passiven Genießen in dieser Welt und dem passiven Genießen in jener Welt kann nur zugunsten des letzteren ausfallen. Dieser Genuß ist rein geistig, jener materiell, sinnlich. V. Perek, Mischnah 13. ... Wer spricht: Das Meinige ist mein und das Deinige ist dein, dies ist ein Durchschnittscharakter. Einige sagen: Dies ist die Sinnesart Sodoms. ״Das Meinige ist dein und das Deinige ist mein“, das spricht ein Unwissender . . . Wer sagt ״das Meine ist mein, das Deinige ist dein“, ist nach der ersten Anschauung ein Durchschnittscharakter, er anerkennt wenigstens die Pflicht der Gerechtigkeit. Da aber durch strenge Gerechtigkeit die Welt nicht bestehen kann, da nur die Wohltätigkeit und das לפנים משורת הדין, das Vermeiden des starren Rechtstandpunktes allein die Welt zu erhalten vermag, so erklärt ihn die zweite Anschauung der Mischnah für einen Jünger Sodoms, wo bekanntlich jede Regung der Wohltätigkeit vermißt, ja verfolgt wurde. Wer sagt ״das Meinige ist dein und das Deinige ist mein“, ist ein ״Amhaarez“ d. h. ein Ungebildeter; denn er weiß nicht, daß die Aufhebung des Eigentums, der Kommunismus, allen Fortschritt ertötet, alles Kulturleben unmöglich macht.