Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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241 Die religiöse Gewöhnung im Kindesalter. kaum dem Kindesalter entwachsenen Menschen heran. Gefühl und Verstand müssen schon früh auf das ״Warum?“ der religiösen Betätigungsformen Antwort zu geben wissen, wenn jene nicht ihr Ansehen einbüßen sollen. Im Verstand aber spielen sich die Angriffe, die Zweifel ab und versetzen ihn manchmal in ein chaotisches Auf und Ab, das sich nicht jedem leicht und schnell entwirrt, aus dessen Dunkel nicht jedem durch ein ״Es werde Licht“ herausgeholfen wird. In einer solchen Zeit der intellektuellen Kämpfe erweist sich die Kotwendigkeit der religiösen Gefühlsbildung von früher Jugend an am tiefsten; denn das Gefühl ist überhaupt nicht so starken und häutigen Schwankungen ausgesetzt wie der Intellekt: vielleicht, weil es tiefinnerst liegt, kann nicht jeder Windhauch von außen 11er es leicht erschüttern oder umkehren. Das Gefühl bewegt sich langsamer als der Verstand: es ist beharrender, konstanter. Ist es daher einmal stark religiös entwickelt, so wird es den intellektuellen Zweifeln gegenüber eine Macht bedeuten; es wird oft genug die religiöse Lebensführung während der Kämpfe im Intellekt zu halten, zu stützen vermögen. Wie hei allen seelischen Funktionen die Elemente der Seele nicht voneinander getrennt, sondern in innigster Verbindung miteinander stehen und einander wechselseitig bilden und beeinflussen, so auch hier. In der Gewöhnung an religiöses Tun werden dem Kinde religiöse Anknüpfungspunkte gereicht, die fähig sind, das im Kinde schlummernde Beligiöse zu wecken und zu stärken; an ihnen können religiöse Gefühle sich hinaufranken, können religiöse Erkenntnisse entwickelt und vertieft werden. Und andererseits wirkt die Gewöhnung an religiöses Fühlen und Denken auf das religiöse Tun zurück, belebt es, bereichert es an Ton und Inhalt und schützt es vor den Gefahren der Mechanisierung; das Tun wird durch die Vor- Stellungen und besonders durch die Gefühle im Innersten der Seele verankert. Ein Ideal jüdisch-religiöser Erziehung ist also, durch die Gewöhnung im Kindesalter religiöses Tun. religiöses Denken nnd religiöses Eühlen im herangewachsenen jungen Menschen zu einem harmonischen Akkord verbunden zu sehen.