Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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240 Di© religiöse Gewöhnung im Kindesalter. jenes immer mehr und tiefer von Vorstellungen erfüllt werde. Das ergibt eine Belebung des Tuns vom Objekt her, während die Gefühlsbetonung eine subjektive Belebung bedeutet. Je mehr Inhalt der Intellekt dem religiösen Tun zu geben vermag, desto geringer wird die Gefahr der Mechanisierung. Ist einmal eine religiöse Handlung von Gedanken und Gefühl erfüllt gewesen, so bleibt ihr dieser Inhalt für eine geraume Zeit als Besitz. Bei der Wiederholung der Handlung kann er reproduziert werden, manchmal blasser, manchmal aber auch erweitert und vertieft. Jedenfalls ist die Verknüpfung von Vorstellungen und Gefühlen mit dem Tun das wesentliche Moment, das die mechanische Ausführung religiösen Handelns verhindert, vor Abstumpfung und Gedankenlosigkeit schützt und den Weg zur Verinnerlichung der religiösen Pflichterfüllung für das ganze Leben weist. Aber noch von einem anderen Gesichtspunkt aus ergibt sich die Notwendigkeit einer frühen Synthese der Gewöhnung an religiöses Tun, an religiöse Gedanken und an religiöse Gefühle. Keiner von diesen drei Faktoren würde für sich allein eine wirksame Vorbereitung für das Leben bedeuten. Oder sollte die Gewöhnung an religiöse Gefühle im Kindesalter geniigen? Da das Judentum nicht nur eine Angelegenheit des Fiihlens ist, so kann auch für die Erziehung ein Gewöhnen an religiöses Fühlen allein keineswegs ausreichen. Vielleicht aber wäre mit einer Gewöhnung an religiöse Gedanken allein auszukommen? Gerade in den jüngsten Zeiten trägt die Ent- Wicklung der Massen den Stempel der Alleinherrschaft des Intellekts auch in der Sphäre der Beligion — und schon wird vielfach die Armut an Gefühlsmomenten mit Bedauern empfunden. Einseitige Ausbildung der religiösen Erkenntnis genügt auch nicht zur durchgängigen Beeinflussung des Willens. Vielleicht könnte aber die Gewöhnung an die jüdische Lebensführung allein eine genügende Grundlage für die Erziehung eines religiösen Juden bilden? Gewöhnung wird aber stets eines Tages nach ihrer Berechtigung gefragt. Diese Frage tritt heute meist schon an den jungen, noch