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Jeschurun · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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238 Die religiöse Gewöhnung im Kindesalter. der Weg für den psychologischen Prozeß so geebnet, daß er immer leichter und schneller vor sich geht. An dem Punkte aber, wo wir die Leichtigkeit und Schnelligkeit des Vorgangs als Gewöhnung bezeichnen, bleibt er nicht stehen. Die Re- Produktion wird darüber hinaus fortgesetzt, muß also notwendigerweise die Leichtigkeit und Schnelligkeit des Vorganges immer mehr erhöhen, so daß es schließlich zu einem rein mechanischen Ablauf kommt, bei dem das Bewußtsein von ganz anderen Dingen erfüllt sein kann. Solche Mechanisierung bedeutet für das religiöse Leben zweifellos eine Gefahr. Wird nicht eine Veräußerlichung der religiösen Pflichterfüllung für das ganze Leben besiegelt sein, wenn die Gewöhnung sie schon in früher Jugend hervorruft? Kein sorgfältiger Erzieher wird die Größe dieser Gefahr zu gering einschätzen. Und sobald die Mechanisierung sich einzustellen beginnt, wird er Mittel suchen, ihr entgegenzuwirken und ihre schädigenden Folgen aufzuheben. Diese Mittel bieten ihm das religiöse Gefühl und die religiöse Erkenntnis. Die ״inneren Pflichten״ — wie Bechai sagt — im Kinde zu wecken und allmählich mehr und mehr zu vertiefen — das ist die bedeutsame Aufgabe, die nun neben jene der Gewöhnung an die äußeren Pflichten tritt. Aber auch religiöses Fühlen und Denken sollen nicht nur hier und da eintreten, auch sie müssen in gewissem Grade Gewöhnung werden. Gewöhnung an religiöses Gefühl! Mancher dürfte fragen: Ist dies überhaupt als gesonderte Aufgabe zu betrachten? Und freilich: Eine warme religiöse Atmosphäre im Elternhaus weckt wohl immer religiöses Gefühl im Herzen des Kindes. Auch ist wohl zu beachten, daß die Gewöhnung an religiöses Tun außer der Bildung einer grundlegenden religiösen Willensrichtung im Kinde noch ein zweites tiefer liegendes Ergebnis zeitigen kann. Unbewußt und gerade deshalb um so wirksamer bestimmen die religiösen Handlungen auch die Grundrichtung des kindlichen Gefühls mit, färben das tiefinnerste Weben der Seele religiös, schaffen ein religiöses Grundgefühl. Aber bei unseren, der Gefühlsentwickelung im allgemeinen ungünstigen

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