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Jeschurun · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Die religiöse Gewöhnung im Kindesalter. 237 häufige Wiederholung das Kind an den jüdischen Pflichtenkreis, so daß dessen wesentliche Elemente ihm bereits in Fleisch und Blut übergegangen sein werden, wenn es בר מצוה wird. Auf solcher Grundlage kann sich ein starkes und bewußtes religiöses Leben auf bauen. Nun birgt die frühe Gewöhnung an das religiöse Pflichtenleben, abgesehen von ihrem unmittelbaren Wert, noch den großen Nutzen einer energischen Gehorsamsbildung in sich: Festigkeit des Willens gegen sich selbst, Fähigkeit zur Selbst- Überwindung werden durch sie eminent gefördert. Wo diese Stärkung des Willens, dieser wichtige Baustein für den Gesamtcharakter, von früher Jugend an von den religiösen Pflichten ausgeht, dürften religiöse Motive auch späterhin dem Gesamtwillensleben die Richtung geben. Ferner: durch ihre häufige Wiederkehr und Einbeziehung in den regelmäßigen Tagesverlauf rücken die spezifisch jüdischen Betätigungsformen dem Kinde nahe, werden ihm etwas Vertrautes, Selbstverständliches. Das ist aber gegenüber der stets wachsenden Inanspruchnahme des Kindes durch die außerjüdische Welt von großer Wichtigkeit. Früh genug beginnt ja schon deren Arbeit an der Formung der jungen Seele. Tritt aber zuerst sie und nur sie in Funktion, so kann das jüdische Pflichtenleben, das als ein Zweites hinzutritt, dem Kinde leicht wie etwas ״von jenseits des Meeres“ erscheinen — und durch das Gefühl der Fremdheit dem Jüdischen gegenüber sind der inneren Assimilation die Tore geöffnet. Je früher aber das Jüdische in das Herz des Kindes einzieht, desto besser. So sehr diese Momente die Forderung der frühen Gewöhnung an das religiöse Pflichtenleben stützen — die Gefahr, die sie mit sich bringt, darf nicht übersehen werden. Außerliehe Bedenken, wie Mangel an Zeit, Überlastung und dgl. können hier füglich übergangen werden; denn ״wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Notwendig aber ist es, jener inneren Gefahr ins Auge zu schauen, die sich aus der psychologischen Beschaffenheit der Gewöhnung ergibt. Durch Übung — das bedeutet psychologisch: durch häufige Reproduktion — wird

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